Fr, 24. November 2017

Attacken und Demos

24.07.2015 16:43

Appelle zur Besonnenheit im hitzigen Asyl-Konflikt

Anlässlich der prekären Flüchtlingslage ruft Innenministerin Johanna Mikl-Leitner zu Besonnenheit auf und appelliert an alle, Flüchtlinge nicht für Aktionismus zu missbrauchen. Auch Caritas-Direktor Michael Landau, der erst kürzlich das Lager Traiskirchen besucht hat, mahnt trotz der erschütternden Zustände zur Zurückhaltung angesichts der derzeit angespannten Situation.

"Krone": Frau Innenministerin, die Lage um Zuflucht suchende Menschen droht zu eskalieren. Übergriffe arten aus, zuletzt haben Männer mit Softguns auf Flüchtlinge geschossen. Eine fatale Entwicklung.
Johanna Mikl-Leitner: Ich verurteile diese Tat aufs Schärfste. Diese Menschen sind vor Krieg und Terror geflohen, um bei uns Schutz zu finden.

"Krone": Die Stimmung ist aufgeheizt. Demonstranten lassen sich nicht davon abbringen, am Sonntag in Traiskirchen aufzumarschieren. Wie soll das weitergehen?
Mikl-Leitner: Ich appelliere an alle Seiten, sich zu mäßigen. Es geht um Mitmenschlichkeit, aber auch um Vernunft. Es ist aufs Schärfste zu verurteilen, wenn vom rechten Rand Neid und Hass geschürt wird. Aber ich appelliere auch an die linken Aktivisten, Flüchtlinge nicht für ihren Aktionismus zu missbrauchen. Polarisierung hilft niemandem.

"Krone": Viele Asylwerber sind obdachlos. Was geschieht mit ihnen?
Mikl-Leitner: Standards müssen vorübergehend runtergeschraubt werden. Gerade alleinstehende Männer können in Sechs-Bett-Zimmern schlafen. Derzeit ist die Grenze bei fünf Betten. Jeder Grundwehrdiener wird bestätigen können, dass das zumutbar ist.

Auch Caritas-Direktor Michael Landau meldete sich in der Causa zu Wort. Für ihn steht fest: Hilfe für die Flüchtlinge ist derzeit dringender als alles andere.

"Krone": Herr Direktor Landau, Sie kennen die Not aus verschiedenen Krisengebieten dieser Welt. Wie schlimm ist die Situation in Traiskirchen?
Michael Landau: Die Lage ist bedrückend und erschütternd. Ich bin auf Mütter und Kinder getroffen, die auf Pappkartons unter freiem Himmel schlafen müssen.

"Krone": Wie beurteilen Sie die momentane, hochexplosive Stimmung rund um das Lager?
Landau: Dringender als alles andere brauchen diese Menschen jetzt Betten und Quartiere.

"Krone": Am Sonntag wollen die Flüchtlinge ja - aufgestachelt von Aktivisten - demonstrieren.
Landau: Ich appelliere eindringlich zu Besonnenheit, Zurückhaltung und dazu, die Stimme der Vernunft zu stärken. Wir brauchen jetzt einen Schulterschluss von allen. Politik auf dem Rücken der Schwächeren ist - egal, von welcher Seite betrieben - abzulehnen.

"Krone": Ihr Lösungsansatz?
Landau: Die Österreicher wollen diese Bilder der Not nicht sehen. Sie verlangen Lösungen im Sinne der Menschlichkeit.

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