So, 17. Dezember 2017

Traumhafter Ausblick

25.07.2015 17:00

Dolce Vita pur: Blaumachen am Lago Maggiore

Wie ein blaugrüner Opal schimmert der Lago Maggiore zwischen dem Tessin und Italien. Hier ist Beatrice Borromeo, eine junge Frau aus altem italienischem Hochadel zu Hause. Um den See, seine Gestade und kulturellen Hotspots zu lieben, muss man aber keine Contessa sein.

Endlich das Ufer. Und schimmernde Bläue. Der Lago Maggiore – jede Silbe dieses Namens atmet Dolce Vita pur. Sonnentrunken döst Ascona am See, lässt entspanntes Tessiner Lebensgefühl gegen die schon spürbare temperamentvolle Italianità im Takt der Wellen anbranden. Auch kulinarisch. Das Risotto alla Parmigiana besänftigt die von der Anreise strapazierten Magennerven, während das Auge auf dem Wasser, dem ersehnten, ruht.

Elegante Riva-Boote mit nussig gebräunten Bikini-Beautys kreuzen vor der Seepromenade. Belle-Époque-Villen, Grandhotels, Palmen und Zypressen "möblieren" den Traum von der südlichen Sehnsucht, die Menschen aus dem Norden magisch anzieht. Bereits um 1900 umwehte hier diese mediterrane Vorahnung blasse Upper-Class-Nasen. Die europäische Hautevolee kommt immer noch gern bei ihrer sommerlichen Grand Tour über die Schweizer Pässe vorbei, mischt sich aber längst mit Lago-Liebhabern aus aller Welt.

Vom Fischerdorf zur Kernzelle einer Erneuerungsbewegung, die um 1910 auf dem Monte Verità, dem Berg der Wahrheit, in Luftlichthütten dem befreienden Nudismus frönte, vom Exil für Intellektuelle zum Dorado des Jetsets in den crazy Sixties und heute Hotspot für gediegenen Weltklassejazz, zog Ascona schon immer alle Register und weiß doch mit sakraler Stille zu überraschen, etwa in der Kirche Santa Maria della Misericordia, deren wundervolle Fresken aus dem 15. Jh. der Madonna huldigen.

Traumhafte Ausblicke
Und immer wieder traumschöne Ausblicke. Richtung Osten liegen die kleinen Brissago-Inseln mit ihrem Schloss und dem botanischen Garten – mit Rilke und James Joyce als illustren Stars in einer langen Gästeliste. Inmitten grün tosender Pflanzenpracht ein taubstummer Ranken schneidender alter Mann mit freundlichen Augen. Er hält mir einen Zettel hin, darauf steht: Gott hat uns aus dem Paradies vertrieben. Die Gärtner hat er zurückgeholt. Wie schön.

In engen Kurven erklimmt man Ronco sopra Ascona – mit dem wohl schönsten Kirchplatz des Tessins. Die Geschichte einer besonders feinen Tabakware, der krummen Brissago-Zigarre, lässt sich in der alten Fabbrica Tabbacchi Brissago erkunden.

Glitzerndes Wellenspiel
Zeit in (den) See zu stechen – Richtung Borromäische Bucht. Glitzerndes Wellenspiel, dunkle Bergketten in der Ferne. Verbania erweist sich als idealer Ausflugshafen für einen Inseltrip, der Historie, Architektur, hochkarätige Adelsessenz und Naturschauspiel vortrefflich vereint. Wie ein mächtiger vertäuter Dampfer liegt die Isola Bella inmitten des Lago Maggiore. Ein mondänes Gesamtkunstwerk, das schon immer Macht, Vermögen, Esprit und la gioia di vivere, Lebensfreude, beherbergte.

Könige, Kardinäle, die Vanderbilts, die Rockefellers, ja, auch Ernest Hemingway lustwandelten auf dem magischen Eiland, das Stammsitz der Familie Borromeo ist – und somit Heimat der schönen Beatrice Borromeo, 27, die hier im August, eine Woche nach dem Jawort in Monaco, nach alter Familientradition kirchlich getraut werden soll. Glamour & Gottes Segen!

Märcheninsel im See
Anfang des 17. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten, die aus einem Felsen im See eine Märcheninsel modellieren sollten. Barocke Steinmetzkunst, Terrassen, umrahmt von mächtigen Balustraden, Skulpturen, den Jahrhunderten trotzend, und exotische Gewächse betören. Hie und da der heisere Schrei weißer Pfaue, die blasiert ihr Rad schlagen. Viel beschaulicher zeigt sich das Leben auf der nahen Isola dei Pescatori mit den gemütlichen Fischlokalen.

Man will gar nicht von Bord gehen. Will einfach auf dem Wasser bleiben. Träumend badet der Blick im See. Die Lippen nippen an einem Gläschen Nostrano. Und dann plumpst die Sonne auch schon wie eine Blutorange in den Lago, macht einer warmen Sommernacht Platz – und einer unstillbaren "Seensucht"

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