Fr, 15. Dezember 2017

Tempo-Unterschiede

23.07.2015 22:29

Land stoppt kuriose Unterschiede

Wer bisher auf der Westautobahn zu schnell fuhr, bekam bei gleich großer Übertretung auf derselben Strecke oft unterschiedliche Strafen - je nachdem, ob er gegen die IG-Luft (Tempo 80) oder gegen die StVO verstoßen hatte. Bis zu plus 10 km/h betrug die Rechnung bisher 20 €, jetzt gilt dieser Strafrahmen bis plus 15 km/h.

Als die im Mai die neuen Radarkästen auf der Westautobahn aufgestellt wurden, um den "Luft-Achtziger" rigoros zu überwachen, berichtete die "Krone" bereits von der flächendeckenden und gnadenlosen Jagd auf die Tempo-Sünder: Doch auf der gleichen Strecke gab es, je nachdem ob die Tempo-Bremse nach der IG-Luft oder der StVO verhängt wurden, unterschiedliche Toleranzen: Aus Umweltschutzgründen wurde bisher bereits bei Vergehen bis 10 km/h zu viel gestraft (20 Euro), nach der StVO war jedoch eine höhere Toleranzgrenze (plus 15 km/h) bei Tempo 100 üblich. "Das wurde jetzt mit einer neuen Verordnung repariert und die Regelungen vereinheitlicht", so Mag. Erich Schneglberger von der zuständigen BH Salzburg-Umgebung: "Das soll aber keine Aufforderung sein, die Geschwindigkeitsbeschränkungen lockerer zu sehen."

Höhen der Toleranzen wurden nun angeglichen
"Damit ist zwar ein kurioser Rechtszustand beendet", so Landtagsabgeordneter Helmut Naderer: "Aber um wirklich Verkehrssicherheit auf unseren Autobahnen und Schnellstraßen herzustellen, wären ganz andere Maßnahmen nötig." Denn ein Drittel, an manchen Tagen auch bis zu 50 Prozent der echten Raser kommen aus dem Ausland.

Viele Ausländer bleiben aber weiterhin straffrei
Naderer: "Was hilft es dem österreichischen oder deutschen Lenker, wenn er sich an die Tempo-Limits hält, aber der Tscheche, Slowake, Ungar oder Italiener mit einem Höllentempo vorbei rauscht im Wissen, dass ihm sowieso nichts passiert." Denn mit den neuen Lenker-Kameras im IG-Luft-Bereich auf der West- und Tauernautobahn können nach wie vor nur deutsche Lenker verfolgt werden, schon bei Probemessungen waren 10.000 Lenker (36%) aus anderen EU-Staaten oder dem Ostblock durchs Tempo-Netz geschlüpft. "Hier schafft man eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Tempo-Vergehen", ärgert sich Helmut Naderer: "Der stets greifbare Österreicher wird abkassiert, für andere hat ihr Vergehen keinerlei Konsequenzen."

Auch Verkehrs-Klubs und Experten zeigen sich erstaunt darüber, dass die EU, die sich sonst bis zur Gurken-Krümmung um alles kümmert, dem Problem des europaweiten Eintreibens von Strafen bei Verkehrsdelikten offenbar völlig gleichgültig gegenüber steht. Immerhin eines haben die rigorosen Tempo-Kontrollen gebracht, so ein Experte der Landes-Verkehrsabteilung: Salzburg hat mit minus 6,2% den größten Rückgang bei Verkehrsunfällen aller Bundesländer, bundesweit sind es nur minus 1,4%.

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