Fr, 15. Dezember 2017

Vom IS initiiert?

21.07.2015 21:09

Nach Anschlag in Suruc: Verdächtiger identifiziert

Nach dem Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc hat die Polizei einen Verdächtigen identifiziert. Das teilte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Dienstag in Sanliurfa unweit des Anschlagsortes mit. Mögliche Verbindungen ins In- und Ausland würden zwar noch geprüft, es handle sich aber mit "größter Wahrscheinlichkeit" um einen Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es der erste IS-Anschlag in der Türkei. Bei dem Anschlag auf ein Kulturzentrum in Suruc waren am Montag Dutzende Menschen getötet worden. Nach Angaben von Davutoglu stieg die Zahl der Todesopfer inzwischen auf 32. Knapp 30 der rund 100 Verletzten lagen demnach am Dienstag noch im Krankenhaus. Zusammen mit seiner Frau Sare besuchte Davutoglu einige von ihnen. Bei einer Trauerfeier im nahe gelegenen Gaziantep klammerten sich trauernde Angehörige an die Särge der Todesopfer, die in verschiedenen türkischen Städten beigesetzt werden sollen. Die Nachrichtenagentur Diha berichtete, der Täter sei ein 20-jähriger Türke gewesen, der sich vor zwei Monaten dem IS angeschlossen habe.

Anti-IS-Treffen zum Wiederaufbau Kobanes
Zu dem Anti-IS-Treffen, auf das der Anschlag verübt wurde, hatten sich in Suruc rund 300 linksgerichtete und pro-kurdische Teilnehmer versammelt, die meisten von ihnen Studenten. Sie hatten vor, den Wiederaufbau der kurdischen Stadt Kobane zu unterstützen, die auf der syrischen Seite der Grenze liegt und durch wiederholte IS-Attacken weitgehend zerstört wurde.

In Suruc befindet sich zudem eines der größten Flüchtlingslager für Syrer, die vor den Kämpfen in ihrem Land geflohen sind. In dem im Jänner eröffneten Camp leben rund 35.000 Flüchtlinge. Insgesamt flohen seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor vier Jahren 1,8 Millionen Menschen aus Syrien in die Türkei. Die beiden Länder haben eine 911 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Grenzen nicht genügend geschützt?
Der Westen hat Ankara wiederholt vorgeworfen, die Grenze nicht genügend zu schützen und so Dschihadisten die Einreise nach Syrien zu ermöglichen. Die türkische Zeitung "Hürriyet" berichtete am Dienstag, der türkische Geheimdienst habe die Regierung erst kürzlich gewarnt, dass sieben IS-Mitglieder, darunter drei Frauen, in den vergangenen Wochen über die Grenze gekommen seien und Anschläge planten. Zuletzt hatte die Türkei ihre Kontrollen an Flughäfen und auch direkt an der Grenze verschärft.

Davutoglu kündigte für Mittwoch eine Sondersitzung des Kabinetts an. Beraten werden soll demnach über einen Aktionsplan, der unter anderem "neue Sicherheitsmaßnahmen an der Grenze" vorsieht.

Kobane monatelang Schauplatz heftiger Kämpfe
Kobane war im vergangenen Jahr monatelang Schauplatz heftiger Kämpfe, nachdem der IS dort eingerückt war. Im Jänner zwangen kurdische Kämpfer mit Unterstützung von US-geführten Luftangriffen die IS-Kämpfer zum Rückzug. Ende Juni startete der IS eine neue Offensive, wurde aber nach nur zwei Tagen wieder vertrieben. Die Türkei beteiligt sich bisher nicht an den Luftangriffen gegen den IS.

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