Fr, 24. November 2017

Neuer ÖVP-Vorstoß

21.07.2015 16:50

Breite Zustimmung für Ende der Kalten Progression

Experten haben errechnet, dass die Steuerzahler seit 2009 mehr als drei Milliarden Euro aufgrund der schleichenden Steuererhöhung durch Kalte Progression an den Fiskus abgeliefert haben. Die Pläne von Finanzminister Hans Jörg Schelling zur "Abschaffung" stoßen nun auf breite Zustimmung bei SPÖ und Gewerkschaft.

"Da unser Lohnsteuersystem mehrere (progressive) Steuerstufen hat, entsteht die Kalte Progression automatisch bei jeder Lohnerhöhung", erklärt Florian Wakolbinger von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung. Bekanntlich sind 11.000 Euro des steuerpflichtigen Jahreseinkommens steuerfrei, darüber geht's in Stufen weiter, beginnend mit 36,5 Prozent.

Bekommt man eine Lohnerhöhung, kommt diese "oben drauf", wird also zur Gänze mit dem Grenzsteuersatz (der höchste beim jeweiligen Einkommen) besteuert, sodass sich in Summe die durchschnittliche Steuerbelastung erhöht und damit die Kaufkraft geschwächt wird.

Verlust durch "schleichende Steuererhöhung"
Wakolbingers Beispiel: Wenn jemand 2.250 Euro pro Monat brutto verdient (etwa 1.500 netto), zahlt er momentan 303 Euro pro Monat an Lohnsteuer. Hätte man das System seit der letzten Reform 2009 jährlich an die Inflation angepasst, sodass die Kalte Progression ausgeschlossen wäre, so würde diese Person heuer nur 255 Euro pro Monat an Steuer zahlen. Der Verlust durch diese "schleichende Steuererhöhung" ist somit 48 Euro pro Monat.

Je höher die Inflation, desto stärker ist übrigens der Effekt aus der Kalten Progression, ergänzt Experte Wakolbinger. Daher passen bereits 18 von 30 Industriestaaten (OECD) ihre Steuerstufen regelmäßig an, um so die oben beschriebenen Wirkungen auszugleichen bzw. abzumildern.

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