Di, 12. Dezember 2017

Neuer Rekord

20.07.2015 22:53

Deutsche horten mehr als 2.000 Milliarden Euro

Während der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble für die Bürger Griechenlands zum verhassten Krisen-Einpeitscher geworden ist, können sich Schäubles sparfreudige Landsleute über immer mehr Geld im Börserl freuen: Die Geldvermögen der Menschen in Deutschland sind zu Jahresbeginn rasant gewachsen, allein als Spareinlage oder in bar horten unsere nördlichen Nachbarn mittlerweile mehr als 2.000 Milliarden Euro - eine neue Rekordsumme.

Konkret legten die Geldvermögen der Deutschen im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorquartal laut Deutscher Bundesbank "außergewöhnlich kräftig" um knapp 140 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent zu. Die privaten Haushalte verfügen somit nun über 5.212 Milliarden Euro in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen, teilte die Bank am Montag in Frankfurt mit. Allein durch Transaktionen stieg das Geldvermögen den Angaben zufolge um knapp 53 Milliarden Euro.

Bankeinlagen trotz niedriger Zinsen weiter beliebt
Dank des robusten Arbeitsmarkts und steigender Einkommen konnten viele Menschen mehr auf die hohe Kante legen, so die Bundesbank. Dabei investierten die privaten Haushalte ihr Geld erneut trotz niedriger Zinsen bevorzugt in kurzfristige und vermeintlich sichere Bankeinlagen. So steckten die deutschen Sparer mit rund 17 Milliarden Euro knapp ein Drittel ihrer Mittel in Bankeinlagen einschließlich Bargeld. Insgesamt übersprang das als Bargeld und Einlagen wie Tages- oder Festgeld gehaltene Vermögen erstmals knapp die Grenze von 2.000 Milliarden Euro.

Eine noch größere Bedeutung für die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte hatten zum Jahresauftakt die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die netto um rund 26,5 Milliarden Euro aufgestockt wurden. "Die - trotz derzeit vergleichsweise geringer Verzinsung - große Bedeutung dieser Ansprüche und der Bankeinlagen für die Geldvermögensbildung, die als risikoarm gelten, deutet auf eine weiterhin hohe Risikoaversion der privaten Haushalte hin", so die Experten der Bundesbank.

Milliardengewinne bei Investmentfondsanteilen
Zudem bescherten Gewinne bei Investmentfondsanteilen und Aktien den privaten Haushalten im Vergleich zum Vorquartal Bewertungsgewinne von gut 87 Milliarden Euro. Hier geben die Experten jedoch zu bedenken, dass zwar Anteile an Investmentfonds inklusive Misch- und Rentenfonds gekauft wurden, die Menschen hingegen Aktien "trotz eines insgesamt positiven Börsenumfelds" im Umfang von knapp 6,5 Milliarden Euro abstießen - das ist der höchste Verkaufswert seit dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise Ende 2008.

Überraschend ist, dass die deutschen Verbraucher das niedrige Zinsniveau kaum für Kredite nutzten: Zwar nahmen sie netto Kredite im Wert von gut vier Milliarden Euro auf, insbesondere Wohnbaudarlehen, doch die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen damit nur leicht um 0,2 Prozent auf 1.588 Milliarden Euro. Unterm Strich erhöhte sich das Nettogeldvermögen damit gegenüber dem Schlussquartal 2014 kräftig um knapp 137 Milliarden oder 3,9 Prozent auf 3.624 Milliarden Euro.

Geldvermögen der Deutschen wächst trotz Krisenjahren stetig
Mit wenigen Ausnahmen wächst das Geldvermögen der Deutschen seit Jahren stetig. Im Auftaktquartal 2000 hatte es noch einen Wert von 3.390 Milliarden Euro, Anfang 2010 waren es 4.290,5 Milliarden Euro. Nur in einigen Krisen gab es Dellen wie zuletzt im dritten Quartal 2011. Damals nagten die Turbulenzen an den Börsen am Wohlstand der Aktionäre. Immobilien oder Kunstwerke sind in der Statistik übrigens nicht enthalten. Auch wie das Vermögen verteilt ist, geht aus der Studie nicht hervor.

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