Mo, 11. Dezember 2017

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20.07.2015 22:56

Explosion in türkischer Grenzstadt: Dutzende Tote

Bei dem schwersten Anschlag seit mehr als zwei Jahren in der Türkei sind am Montag in der Stadt Suruc an der Grenze zu Syrien mindestens 30 Menschen getötet worden. Rund 100 Menschen seien zudem verletzt worden, teilte das türkische Innenministerium mit. Das Ministerium sprach von einem "terroristischen Angriff gegen die Einheit unseres Landes".

Die Explosion ereignete sich im Garten eines Kulturzentrums in der Innenstadt, wo sich gerade rund 300 Mitglieder linksgerichteter türkischer Jugendorganisationen trafen, überwiegend Studenten. Sie hatten vor, den Wiederaufbau der syrischen Grenzstadt Kobane voranzutreiben, die durch wiederholte IS-Attacken weitgehend zerstört wurde.

"Sie wollten in Kobane Parks einrichten, Kindern Spielzeug schenken und Wände bemalen", sagte Alp Altinors von der Kurdenpartei HDP. Durch die starke Explosion gab es rund 100 Verletzte, von denen 20 nach Auskunft des Gouverneurs Suruc Abdullah Ciftci in Lebensgefahr schwebten.

Erdogan verurteilt "Täter dieser Unmenschlichkeit"
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den "Akt des Terrors". Bei einem Besuch in Zypern sagte er: "Im Namen meines Volkes verfluche und verurteile ich die Täter dieser Unmenschlichkeit." Der Gouverneur der Provinz Sanliurfa sagte nach Angaben der Zeitung "Hürriyet", es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Das türkische Innenministerium machte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat für den Anschlag verantwortlich.

35.000 syrische Flüchtlinge leben in Suruc
In Suruc befindet sich eines der größten Flüchtlingslager für Syrer, die vor den Kämpfen in ihrem Land geflohen sind. In dem im Jänner eröffneten Camp leben rund 35.000 Flüchtlinge. Die türkische Grenzstadt ist nur wenige Kilometer von der syrischen Grenzstadt Kobane entfernt. Diese vorwiegend von Kurden bewohnte Stadt geriet im Vorjahr in den Brennpunkt medialer Berichterstattung. Sie war Schauplatz heftiger Kämpfe, nachdem die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat dort eingerückt war.

Verwundete werden in Grenzstadt versorgt
Im Jänner zwangen kurdische Kämpfer mit Unterstützung von US-geführten Luftangriffen die IS-Kämpfer zum Rückzug. Ende Juni startete der IS eine neue Offensive, wurde aber nach nur zwei Tagen wieder aus der Grenzstadt vertrieben. Im Zuge der Offensive, die mit drei Selbstmordattentaten begann, töteten die Dschihadisten zahlreiche Zivilisten. Viele Verletzte aus Kobane wurden in Krankenhäusern in Suruc behandelt.

Der Anschlag in Suruc ist der schwerste in der Türkei, seit im Mai 2013 in der Grenzstadt Reyhanli zwei Autobomben explodierten und 51 Menschen ums Leben kamen. Die türkische Regierung machte damals die linksextreme DHKP-C mit Kontakten zum syrischen Regime für die Tat verantwortlich, der syrische Präsident Bashar al-Assad wies den Vorwurf zurück. Ankara betreibt den Sturz Assads.

Detonation in Kobane: Anschlag oder Munitionsbeseitigung?
Beinahe gleichzeitig mit der Detonation in Suruc wurde auch Kobane am Montag von einer heftigen Explosion erschüttert. Dabei wurden zwei kurdische Kämpfer getötet. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien erklärte, die Kurdenmiliz YPG sei von einem Selbstmordattentäter mit einer Autobombe angegriffen worden. Ein YPG-Sprecher sagte dagegen, es habe mehrere Explosionen bei der Beseitigung von Munition gegeben, die vom IS zurückgelassen worden sei.

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