So, 17. Dezember 2017

Platini Nachfolger?

20.07.2015 17:34

FIFA-Machtkampf: Präsidentenwahl im Februar

In der Machtprobe mit Noch-FIFA-Boss Joseph Blatter haben die Widersacher aus Europa eine krachende Niederlage kassiert, Michel Platini geht jedoch als großer Favorit ins Nachfolge-Rennen. Der neue Präsident des skandalumtosten Fußball-Weltverbandes soll erst am 26. Februar 2016 gekürt werden. Das entschied das FIFA-Exekutivkomitee am Montag in Zürich.

"Am 26. Februar wird die FIFA einen neuen Präsidenten haben", sagte Blatter. Zuvor musste die Pressekonferenz unterbrochen werden, weil er von einem englischen Komiker mit Geldscheinen beworfen wurde. Danach bekräftigte der 79-Jährige nach dem jüngsten Schlingerkurs seinen Abschied. "Ich wünsche allen Kandidaten Erfolg, auch Michel Platini."

Für die Wahl des neuen mächtigsten Manns im Fußball festigte der aktuelle UEFA-Präsident und Blatter-Kontrahent seine Stellung als Top-Kandidat. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat Platini eine große Unterstützung sicher. Der Franzose soll von zahlreichen Nationen um eine Kandidatur gebeten worden sein. Demnach soll er die Zusagen der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika sowie Nord- und Zentralamerika haben.

"Es ist nun ein definitives Datum fixiert und damit ein klares Signal für eine neue Zukunft gesetzt. Wir hätten aber eine Wahl noch in diesem Jahr bevorzugt", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner. "Die FIFA hat dringenden Handlungsbedarf, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Gründung einer Task Force ist mit Sicherheit ein Schritt dazu, der allerdings vom neuen Präsidenten auch getragen und forciert werden muss, denn es ist die personelle Weichenstellung für einen Neubeginn. Die FIFA muss diese Chance für einen Neustart nutzen, damit Akzeptanz und Anerkennung im Weltfußballverband zurückkehren."

Es wird erwartet, dass Platini in den kommenden 15 Tagen seine Entscheidung bekanntgibt. Für den Fall eines positiven Entschlusses wird Wolfgang Niersbach als möglicher neuer UEFA-Präsident gehandelt. "Es ehrt einen schon, wenn in dem Zusammenhang überhaupt der eigene Name fällt", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes. "Aber ich bin Stand heute kein Kandidat, ob sich daran etwas ändert, kann ich ihnen nicht sagen."

Blatter noch länger im Amt
Doch vorerst bleibt der in Europa ungeliebte Blatter noch mehr als sieben Monate im Amt. Der Schweizer hatte Anfang Juni zwar seinen Rückzug angekündigt, wollte aber selbst noch den Reformprozess in der skandalumwitterten FIFA anführen. Deshalb hatte er für den außerordentlichen Kongress ein Datum im kommenden Jahr bevorzugt.

Bei der Reform soll Blatter jedoch laut Niersbach keine offizielle Position mehr haben. Eine Kommission mit einer unabhängigen Persönlichkeit an der Spitze soll die Wandlung beim korruptionsgeschädigten Weltverband überwachen und leiten. Dafür werde die Task Force "Reformen" mit jeweils zwei Vertretern der Verbände aus Asien, Afrika, Europa und Nord- und Mittelamerika sowie je einem Repräsentanten aus Südamerika und Ozeanien gegründet. "Es sind zehn Spieler und ein Trainer, eine unabhängige Person", erklärte Blatter.

Vor allem die Gegner im Exekutivkomitee aus Europa um UEFA-Präsident Platini hatten auf eine Neu-Wahl vor Weihnachten gepocht. Darauf konnte sich das Exko jedoch nicht einigen, weil sich Asien gegen einen Dezember-Termin direkt nach der Klub-WM in Japan aussprach und Afrika gegen den Jänner wegen eines zeitgleichen Kontinental-Turniers opponierte.

Obwohl Platini kurz nach 14 Uhr mit versteinerter Miene aus der Lobby des FIFA-Hauptquartiers in Richtung Tiefgarage verschwand, gilt er nun als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge seines früheren Intimus und heutigen Widersachers Blatter. Der 60-Jährige hat sich allerdings noch nicht offiziell zu einer möglichen Bewerbung geäußert.

"Wir können uns auf eine neue Führung freuen, die sicher neue Ideen und Lösungen bringen wird", teilte der UEFA-Chef lediglich schriftlich mit. "Das sind spannende Zeiten für die FIFA." Bis vier Monate vor dem Wahl-Termin müssen potenzielle Anwärter die Unterstützerstimmen von fünf Mitgliedsverbänden sammeln.

Zuvor hatte sich erstmals der unterlegene Gegenkandidat Blatters bei der Wahl Ende Mai zu Wort gemeldet. "Die Zukunft der FIFA steht auf dem Spiel", sagte der jordanische Verbandschef und FIFA-Vizepräsident Prinz Ali bin al-Hussein der Nachrichtenagentur AP.

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