Mi, 22. November 2017

Festspiele

19.07.2015 19:51

Ein Teufel als Tarantel des Glaubens

Teufel habe ich schon oft erlebt, nicht nur meine eigenen, sondern die "Jedermann"-Beelzebuben mindestens von Otto Schenk aufwärts. Der neue Höllen-Knecht, Christoph Franzen, hat etwas speckig Verwegenes, er ist ein Monster der Verführung.

Manche waren erbärmliche und bejammernswerte Geschlagene, manche haben den Clown im fuchsteufelwilden Furor entfaltet, andere wiederum leierten zwischen diabolisch und dialektisch (zerrissenen), die Nächsten gaben schleichende Monster mit dem Höllen-Greinen und feixenden Flüchen. Was weiß ich, wie sich Satan darbietet, im "Jedermann" überlege ich es mir jedenfalls. Das Spiel vom Sterben ist eines vom Leben. Eines, das sich nicht lenken und läutern lässt, auch wenn es die guten Geister in den Hof des Friedens führen.

Zenith im Zombie-Himmel
Die Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes hat die Tradition des Volkstheaters wieder in die Gegenwart gebracht. Es geht nicht darum, eine scheinheilige Pathos-Pathetik zu bedienen, sondern um eines: Willst du leben im Prunk oder sterben in der Einsamkeit mit all deinen Gütern. "Jedermann" hat diese Erfahrung und es ist keine gute. Wenn ich auch zum Volkstheater eine gespaltene Zuneigung habe, so ist das, was ich vor dem Salzburger Dom seit wahrscheinlich 20 oder mehr Jahren erlebe, ein Zenith im Zombie-Himmel.

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