Mi, 13. Dezember 2017

Forststraßen

19.07.2015 19:05

Mountainbiker fordern vehement "freie Fahrt"

"Radfahren verboten", "Videoüberwachung", "Zuwiderhandeln wird gerichtlich verfolgt": Die Botschaften für die Forststraße auf den Tremmelberg sind eindeutig. Hier müssen Mountainbiker schieben. Bei weitem kein Einzelfall. Die Radler fordern nun generell "freie Fahrt" in den Wäldern – und stoßen damit auf Widerstand.

"Früher ist die Forststraße auf den Tremmelberg sogar Teil der bekannten Alpentour gewesen", erzählt Josef Steinberger von den Naturfreunden Knittelfeld. Seit einem Besitzerwechsel vor einigen Jahren ist die Straße für Mountainbiker aber tabu.

Ein Mautschranken, der sich für Autos, aber nicht für Radfahrer öffnet; ein Hüttenwirt, der an Biker nicht ausschenkt; eine Straße, wo man wegen eines Grundbesitzers 200 Meter zwischendurch schieben muss. Die Naturfreunde-Runde erzählt einige Episoden aus der Region, die zeigen: In den steirischen Wäldern wird gerade ein Grundsatzkonflikt ausgetragen. Die Frage: Sollen mehr – oder gar alle – Forststraßen für die immer größere Zahl an Mountainbiker geöffnet werden?

"Fast so viele Radfahrer wie Wanderer"
Ein entschiedenes "Nein" kommt von der Landwirtschaftskammer (siehe Interview mit Präsident Franz Titschenbacher weiter unten). Eindeutig "Ja" sagen die Naturfreunde, die seit heuer das Thema forcieren. "Mountainbiken ist ein Trendsport", betont etwa Landesgeschäftsführer Rene Stix. "Wir lassen hier touristisches Potenzial liegen." Radfahrreferent Gerd Klemen erinnert sich: "Als ich 1995 zum Mountainbiken angefangen habe, hast du vielleicht zwei oder drei andere getroffen. Heute gibt es fast schon so viele Radfahrer wie Wanderer."

Haftungsfrage als Knackpunkt
Von 120.000 Kilometern Forststraße in Österreich sind 27.000 für Mountainbiker freigegeben (in der Steiermark etwa 5000). Zu wenig, meinen die Naturfreunde. Doch die Gegner haben gewichtige Argumente. Eines davon: Wenn ein Sportler einen Unfall baut, haftet der Grundbesitzer derzeit auch bei leichter Fahrlässigkeit. Dieses Risiko wollen viele nicht eingehen.

Der steirische Naturfreunde-Vorsitzende Jürgen Dumpelnik kann sich eine radikale Lösung vorstellen: gar keine Haftung mehr! Dann wäre jeder Radfahrer für sich selbst verantwortlich. "Denn klar ist auch: Wir vertreten nicht die schwarzen Schafe, sondern sind für klare Regeln und Strafen", so Dumpelnik, der sich sicher ist: "Wenn ein politischer Wille da ist, wird es eine Lösung geben."

Interview mit Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher:

"Krone": Herr Titschenbacher, immer lauter wird die Forderung nach einer generellen Freigabe aller Forststraßen für Mountainbiker. Die Landwirtschaftskammer ist dagegen. Weshalb?
Franz Titschenbacher: Es geht einmal grundsätzlich um die Eigentumsfrage. Wenn es um das Eigentum anderer geht, kann man leicht Forderungen wie ein generelle Öffnung stellen. Außerdem sind die Forststraßen Arbeitsstätte, denken Sie an die Holzernte. Das Gefahrenpotenzial ist sehr groß, gerade wenn Mountainbiker bergab sehr schnell unterwegs sind. Und auch das Thema Naturverträglichkeit darf nicht außer Acht gelassen werden. Bei einer generellen Öffnung würde etwa auf Wildeinstandsgebiete auf keinste Weise Rücksicht genommen werden.

"Krone": Sie meinen also, die derzeitige gesetzliche Regelung ist ausreichend?
Titschenbacher: Ja, der Status sollte beibehalten werden. Es gibt ja viele positive Beispiele, wo über privatrechtliche Verträge eine Öffnung von Straßen erreicht wurde. Wir sind bereit, weiter über solche Lösungen zu sprechen. Mit einem guten Willen von beiden Seiten sollte das möglich sein.

"Krone": Ein Fakt ist aber auch, dass immer mehr Einheimische und Touristen mit dem Mountainbike in der Natur unterwegs sind…
Titschenbacher: Ja, das stimmt. Aber oft sind sie illegal auf gesperrten Wegen unterwegs. Eine generelle Freigabe würde im Umkehrschluss bedeuten, dass sich nur genügend Menschen nicht an Gesetze halten müssen, dann wird dieses schon geändert.

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