Mi, 13. Dezember 2017

Strom ist jetzt blau

17.07.2015 10:12

VW Passat GTE: Plug-in-Hybrid mit Spaßtaste

Volkswagen rüstet den Passat zum zukunftssicheren Hightech-Paket auf: Der VW Passat GTE ist der erste Plug-in-Hybrid des Konzerns im sogenannten B-Segment, ist stärker als Audi A3 e-tron und VW Golf GTE und bringt Schmankerl von LED-Scheinwerfern bis hin zum elektronischen Aufpasser namens Front Assist serienmäßig mit. Sein Charakter: komfortabel. Dazu je nach Momentanverfassung des Fahrers sportlich oder sparsam.

Zwei Motoren stehen zur Verfügung: ein 1,4-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 166 PS sowie ein 115-PS-Elektromotor; angetrieben werden ausschließlich die Vorderräder. Zum sparsamen Fahren braucht es natürlich mehr als nur den guten Willen des Fahrers, denn die gute Emissionsbilanz steht und fällt mit der Möglichkeit, den Passat GTE ans Stromnetz zu hängen und den Lithium-Ionen-Akku zu laden (VW sieht die Zukunft in Parkhäusern, wo Autos automatisch ihren Parkplatz finden und ein Roboter das Ladekabel anschließt). Für 50 Kilometer soll dann genug Saft da sein und wer diese Reichweite schaffen will, wird ihr zumindest nahe kommen. Bei ersten Testfahrten in Amsterdam bin ich 37 Kilometer weit gekommen, war dabei aber zügig überland unterwegs und habe durchaus auch die elektrische Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf dem Tacho stehen gehabt.

Auch rein elektrisch kann man flott unterwegs sein, sogar beim Ampelstart geht der große Wolfsburger richtig ab, weil er sein maximales Drehmoment typischerweise schon aus dem Stand abliefert. Im Normalbetrieb arbeiten Verbrenner und Stromer zusammen und ergänzen einander, sodass man mal elektrisch, mal mit Sprit, mal mit beidem fährt. Beim Tritt auf die Bremse wird zunächst rekuperiert, also Strom zurückgewonnen, bevor die eigentliche Bremse greift. Geht man nur vom Gas, "segelt" man im Leerlauf dahin - es sei denn, man hat den Automatikwählhebel nicht auf D, sondern auf B. In dem Fall wird rekuperiert statt zu segeln, mit entsprechendem Bremseffekt. Auch im GTE-Modus wird nicht gesegelt.

GTE-Modus für maximalen Spaß
Richtig lustig wird es, wenn man die GTE-Taste auf der Mittelkonsole drückt. Dann sind beide Motoren immer aktiv, der Elektromotor boostet den Verbrenner und es stehen die volle Systemleistung von 218 PS sowie das maximale Systemdrehmoment von 400 Nm zur Verfügung. Den Soundaktuator, der sportliche Motorklänge aus den Lautsprechern liefert, hätten sie sich aber schenken können. Die Fahrleistungen sind ansprechend, wir reden hier von 7,5 Sekunden für den Hunderter-Sprint und 217 km/h Vmax.

Eigentlich geht es akustisch sehr leise zu im Passat, der Vierzylinder ist deutlich besser gedämmt als in den beiden oben genannten Plug-in-Hybrid-Kompaktwagen. Zwar schaltet das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe auch hier manchmal eine Spur zu eifrig runter und lässt den Motor aufheulen, aber es geht alles etwas dezenter vonstatten.

Wozu das Ganze?
In Wolfsburg setzt man voll auf Plug-in-Hybride als "Brückentechnologie", bis reine E-Autos ansprechende Reichweiten ermöglichen. So kann man bedenkenlos drauflosfahren, ohne die Angst, liegen zu bleiben, kann aber kürzere Strecken - wie sie im Alltag üblich sind - rein elektrisch fahren. In London z.B. hat man auch noch den Vorteil, dass man dadurch von der Innenstadtmaut befreit ist.

Damit man nach längerer Fahrt noch genug Akkuladung hat, kann man den Charge-Modus aktivieren. Dann arbeitet der Verbrennungsmotor durchgehend und lädt dabei zusätzlich die Batterie. Im Test baute der Passat pro gefahrenem Kilometer einen Kilometer elektrische Reichweite auf.

Glaubt man den Zahlen, die VW nennt, hat der Passat GTE eine Gesamtreichweite von 1.100 km mit vollem Akku und 50-Liter-Tank. Klingt zu schön, um wahr zu sein und ist für den 1,7-Tonner in der Praxis auch kaum realistisch. Das würde einem Spritverbrauch von durchschnittlich 4,7 l/100 km entsprechen (für die 1.050 km nach den elektrischen 50).

Anfang 2016 kommt der VW Passat GTE in Österreich auf den Markt, Preise stehen noch nicht fest. Doch angesichts des Normverbrauchs von 1,7 l/100 km, der eine NoVA ausschließt, dürfte er günstig ausfallen. Die Nachteile gegenüber einem herkömmlichen Passat halten sich in Grenzen: 180 Liter weniger Kofferraumvolumen, an die 200 kg Mehrgewicht.

Wer die Möglichkeit hat, günstig zu Hause und/oder gratis in der Firma zu laden, hat hier einen sportlichen Gleiter, der gut fürs Gewissen ist, ohne langweilig zu sein. Und wegen einiger blauer Akzente, die bei VW auf Elektroantrieb hinweisen, wissen auch die Nachbarn, dass man in Sachen Auto auf der Höhe der Zeit ist.

Warum?

  • Weil der Passat ohnehin eine Empfehlung in der Klasse ist
  • Sportliche Fahrleistungen, relativ gute elektrische Reichweite

Warum nicht?

  • Wer nicht regelmäßig Strom tanken kann, zahlt drauf.

Oder vielleicht …

… Passat TDI, Mercedes C 350e

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