So, 19. November 2017

Lokalaugenschein

15.07.2015 07:31

Schleierfahnder im Kampf gegen die Schleppermafia

Immer mehr Schlepperbanden treiben auf Österreichs Autobahnen ihr Unwesen. Täglich werden Illegale unter katastrophalen Zuständen in Kastenwagen gepfercht und über die Grenzen geschleust. Die A1 gilt dabei als Hauptkorridor für die menschenunwürdigen Transportfahrten in den Westen. Die "Krone" begleitete Salzburgs Schengen-Fahnder einen Tag lang im Kampf gegen das schmutzige Schleppergeschäft.

Dienstagvormittag an der Autobahn: Ein Kontrollpunkt ist bei der Abfahrt nahe Flughafen errichtet. Ein Streifenwagen und ein Schengen-Bus als fahrendes Büro, wo Daten abgeglichen werden können, sind im Einsatz.

Ein Fahnder mit bulliger, durchtrainierter Statur und hartem Blick nimmt einen serbischen Pkw in Augenschein. Leuchtende Warnwesten mit Polizei-Schriftzug machen den Einsatz gegen die Abgründe der Schleppermafia sichtbar. Kofferraum öffnen, Papiere in die "Docubox": "Wir arbeiten hier mit verschiedenen Lichtquellen", schildert ein Polizist, wie gefälschte Dokumente auffliegen. Die Beamten sind speziell geschult. Sie müssen nicht nur heimische Fälschungen erkennen. "Bis zum Führerschein aus Pakistan hatten wir alles", so Kommandant Richard Hribernigg über die Autobahn als internationale "Bühne" der Kriminalität.

"Es gibt immer wieder Tote"
"Auffällig sind zum Beispiel getönte Scheiben", weiß er, welche Details die Polizei alarmieren. Oft sind es Kastenwagen, häufig mit ungarischen oder rumänischen Kennzeichen. Bis zu 30 Menschen kauern dort auf Ladeflächen, durstig, mit falschen Versprechungen geködert. "Es gibt auch immer wieder Tote. Sie sterben an Erschöpfung“, sagt Hribernigg nachdenklich.

Der nächste Kleinbus wird gestoppt: Zwei Insassen mit ungarischen Papieren. Zwei Matratzen liegen im Kofferraum. Doch der Lenker macht glaubwürdig, dass sie für den Eigengebrauch sind. Sechs Streifenwagen "kreisen" um den Kontrollpunkt. Und bringen wieder einen "Kandidaten": ein bulgarischer Bus mit rumänischem Autoanhänger. Auch dieser Lenker dürfte gute Geschäfte im Westen machen.

"Flüchtlingsströme kommen in Wellen"
Die Flüchtlinge träumen alle von Deutschland. Durch Salzburg werden die meisten nur durchgeschleust und oft ist hier für sie überraschend Endstation. Zwei deutsche Kollegen in Ausbildung unterstützen am Dienstag das Team. Aufgriffe gibt es fast täglich: Die Zahlen explodieren. "Und das, obwohl Salzburg im EU-Raum nach den Außengrenzen meistens schon der vierte Filter ist", so Hribernigg, der meint: "Flüchtlingsströme kommen in Wellen." In fast 40 Dienstjahren erlebte er auch den Ansturm aus Ex-Jugoslawien.

"Salzburg muss so unattraktiv wie möglich sein"
Die Nord-Süd-Route habe sich vorwiegend auf die Züge verlagert. So führen die Schengen-Fahnder auch regelmäßig "Zugstreifen" und Kontrollen in der Bahnhofshalle durch. "Salzburg muss so unattraktiv wie möglich sein", sagt Kommandant Hribernigg über den Kampf gegen Kriminalität. Immer wieder gibt es beim Bahnhof Vorfälle mit Drogen. "Gerade erst haben wir einen Rucksack mit fünf Kilo Cannabisharz sichergestellt."

Neben Schleppern, Dokumentenfälschern, Drogenkurieren oder illegalen Personen stoppt die AGM-Gruppe, die in Wals stationiert ist, auch Autoschieber. Erst 2013 ließ die Polizei bei Kontrollen auf einem Walser Parkplatz ein Netzwerk hochgehen. Schweizer Luxuswagen wurden nach Polen verschoben.

Durchschnittlich fünf Fahndungserfolge pro Tag
Die Bilanz von Dienstag: zwei Festnahmen in aller Früh. "Eine illegal aufhältige und eine gesuchte Person", erklärt Hribernigg. Tagesgeschäft bei den Fahndern: "Wir haben im Schnitt fünf Fahndungserfolge pro Tag."

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