Mi, 13. Dezember 2017

"FinTechs"

14.07.2015 08:57

So mischen Start-ups online die Finanzwelt auf

Sie sind jung, sie haben coole englische Namen und sie sind der Schrecken von Banken und Versicherungen: Finanz-Start-ups oder FinTechs. Die Dienstleister aus dem Netz erleichtern Geldüberweisungen, helfen bei Anlageentscheidungen oder machen Versicherungen transparenter.

FinTechs - ein Kunstwort aus "Finanzen" und "Technologie" - profitieren dabei von der Verbreitung von Smartphones und Tablet-Computern sowie dem Trend zum Speichern von Daten übers Internet in großen Rechenzentren, dem Cloud Computing.

Software statt Bankberater
"Banken haben es einfach komplett verlernt, im Sinne des Kunden zu denken", sagt Oliver Vins, Mitgründer der Internetplattform Vaamo. Sein Werbeversprechen lautet: "In drei Klicks zur Geldanlage". Statt über Fondsprospekten zu brüten oder Kursverläufe von Aktien zu studieren, können Anleger ihr Sparziel, einen Zeitraum und ihre Risikofreude auf der Website angeben - eine Software im Hintergrund wählt entsprechende Anlageprodukte aus. Eine Partnerbank kümmert sich danach um die Abwicklung.

"Ich habe in meiner langen Zeit als Strategieberater im Bankenumfeld tagtäglich hautnah erlebt, wie groß das Potenzial für bessere und faire Finanzprodukte ist", sagt Vins. Zusammen mit zwei ehemaligen Studienkollegen - auch sie Finanzfachleute - brachte er im vergangenen Jahr Vaamo online. Es sei zwar schwer, gegen die Banken mit ihren riesigen Marketingbudgets anzukommen, räumt er ein, doch die Zeiten seien günstig: "Gerade die jüngere Generation unter 40 kann sich heute kaum noch vorstellen, eine Bankfiliale zu betreten, und sucht nach guten Alternativen."

Finanz-Start-ups sind kreativ
Die FinTech-Szene boomt. Die meisten der Internetfinanzfirmen bieten klassische Dienstleistungen rund um die Kreditvergabe oder den Zahlungsverkehr an. Andere FinTechs indes sind weit kreativer und sammeln beispielsweise finanzmarktrelevante Twitter-Nachrichten oder Daten von Fitnessbändern, die für Krankenversicherer interessant sein können. "Die digitale Revolution bei Finanzdienstleistungen ist weit fortgeschritten", stellt Accenture-Experte Julian Skankan fest.

FinTechs locken Geldgeber an
Geldgeber setzen auf den Erfolg der Internetfinanzfirmen. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Accenture haben sich die Investitionen im vergangenen Jahr weltweit auf 12,2 Milliarden US-Dollar (11 Mrd. Euro) verdreifacht. Die größten Spieler kommen aus den USA, aber auch aus Australien, Großbritannien, Indien und Schweden. Das wohl bekannteste FinTech ist PayPal, die Bezahltochter von Ebay.

In Deutschland ist die FinTech-Szene zwar ebenfalls sehr aktiv, besteht allerdings vor allem aus kleinen Unternehmen. Accenture kam hier lediglich auf Investitionen von 82 Millionen Dollar. Zentrum ist Berlin - und nicht die Bankenmetropole Frankfurt. In Berlin mit seinen zahlreichen Start-ups sitzen die passenden Geldgeber und viele junge Talente, etwa Programmierer.

Banken reagieren auf neue Rivalen
Die Deutsche Bank spürt den Druck der FinTechs bereits und will selbst eine Milliarde Euro in die Digitalisierung ihrer Angebote stecken. Sicherlich würden die FinTechs die klassischen Geldhäuser in einzelnen Geschäftsfeldern angreifen, sagt Accenture-Experte Skan, die neuen Firmen könnten den Banken aber auch helfen, bessere und komfortablere Angebote für ihre Kunden zu entwickeln. Die Commerzbank investierte deshalb sogar in FinTechs wie die Handelsplattform Etoro.

Privatleute könnten am Ende nur profitieren, meint Christian Tiessen, Mitgründer und Geschäftsführer des Finanz-Marktplatzes Savedo aus Berlin. Tiessen erwartet, dass die Produkte wegen des starken Konkurrenzdrucks letztlich individueller, flexibler, transparenter und bedienungsfreundlicher werden.

Konsumentenschutz rät zur Vorsicht
Doch Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht: "Wenn FinTechs etwa im Zahlungsverkehr anbieten, dass sie Überweisungen so einfach und schnell gestalten wie das Verschicken einer SMS, dann dürfte das bei Verbrauchern auf Interesse stoßen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aber etwa bei der Kreditvergabe von privat zu privat oder bei der Vermittlung von Unternehmensbeteiligungen rät der Experte zur Wachsamkeit. Denn was für den Kreditnehmer eine willkommene Alternative sei, sei für den Anleger eine hoch riskante Angelegenheit. "Woher sollen Verbraucher wissen, ob zum Beispiel eine angebotene Rendite von sechs Prozent angemessen ist für das damit verbundenen Ausfallrisiko?"

Die Kunden jedenfalls scheinen keine Berührungsängste mit neuen Technologien zu haben. Nach einer repräsentativen Studie im Auftrag der Dirketbank ING-Diba nutzen in Deutschland schon fast die Hälfte der Smartphone- und Tablet-Besitzer Apps für die Verwaltung ihrer Bankgeschäfte.

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