So, 17. Dezember 2017

"Schlag ins Gesicht"

13.07.2015 07:52

Nobelpreisträger kritisieren harte Haltung der EU

Gleich zwei US-Wirtschaftsnobelpreisträger haben am Montag harte Kritik an der Haltung der EU bzw. Deutschlands gegenüber Griechenland im Schuldenstreit geübt. Ökonom Joseph Stiglitz warf Berlin einen "Mangel an Solidarität" vor, Paul Krugman nannte die Liste der Forderungen der Eurogruppe sogar schlichtweg "verrückt".

Die Eurozone könne nicht ohne ein "Mindestmaß an Solidarität" betrieben werden, sagte Stiglitz im äthiopischen Addis Abeba, wo er an der UNO-Konferenz zu Entwicklung und Klimaschutz teilnimmt, der Nachrichtenagentur AFP. Mit seiner harten Haltung untergrabe Deutschland demnach den "gesunden Menschenverstand" von weitsichtiger Politik und das Gefühl von Zusammenhalt in Europa. Die bisherige Krisenpolitik sei eine "Katastrophe", meinte der Professor an der Columbia University in New York und frühere Chefökonom der Weltbank. Deutschland habe Europa damit einen "Schlag ins Gesicht versetzt", so Stiglitz.

"Vielleicht tödlicher Schlag für das europäische Projekt"
"Das europäische Projekt - ein Projekt, das ich immer gelobt und unterstützt habe - hat gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten", schreibt sein Landsmann Krugmann in einem Kommentar in der "New York Times". "Und was immer man von der griechischen Regierungspartei Syriza oder Griechenland hält - die Griechen haben es nicht verbockt."

Laut Krugman liegt der Hashtag "#thisisacoup", der Montagfrüh via Twitter hunderttausendfach verbereitet wurde, genau richtig: Das Vorgehen der Eurogruppe gehe über Strenge hinaus "in schiere Rachsucht, in komplette Zerstörung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe". "Es ist vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht annehmen kann - nichtsdestotrotz ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte."

"Auf eine Art ist die Wirtschaft dabei fast zweitrangig. Aber lasst uns darüber im Klaren sein: In den vergangenen Wochen haben wir gelernt, dass Mitglied der Eurozone zu sein bedeutet, dass die Gläubiger deine Wirtschaft vernichten können, wenn du aus der Reihe tanzt", schreibt der Wirtschaftsexperte weiter.

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