Mo, 18. Dezember 2017

Stadthalle live

09.07.2015 10:42

Roxette brachten Wehmut und Nostalgie nach Wien

Eigentlich schien alles so, wie es sein sollte: Als das schwedische Popduo Roxette Mittwochabend bei seinem Wien-Gastspiel Hit um Hit in die Stadthalle feuerte, wurde gesprungen, gesungen, gejubelt. Zur nostalgischen Partylaune mischte sich aber auch viel Wehmut, bestritt Sängerin Marie Fredriksson das Konzert doch sichtlich geschwächt. Immer wieder die Fäuste ballend, wurde sie von den Fans gefeiert.

2002 stellte man bei der heute 57-Jährigen einen Hirntumor fest. Die Musik, die jahrzehntelang ihr Leben bestimmte, geriet zur Nebensache. Gänzlich beiseitegeschoben hat Fredriksson ihre Leidenschaft aber nie, bereits während ihrer Behandlungen feilte sie an einem neuen Soloalbum. Jahre später folgte nicht nur die Botschaft, dass sie die Krankheit besiegt habe, sondern auch die von vielen so herbeigesehnte Wiedervereinigung mit Gitarrist und Songwriter Per Gessle. Roxette waren wieder da.

Gute-Laune-Rock
Diese Schweden sind schon ein Phänomen: 1986 gegründet, eroberte das Gespann mit seinen ebenso kraftvollen wie eingängigen Songs weltweit die Charts. Man mag Stücken wie "Dressed For Success" zwar eine gewisse Glätte vorwerfen, aber an Effektivität waren und sind diese Ohrwürmer kaum zu überbieten. Die genau richtige Dosis hemdsärmeliger Rock, reichlich pathetische Keyboardsounds und Melodien, die euphorischer nicht sein könnten. Roxette haben die gute Laune quasi gepachtet.

Auch live konnte man sich davon noch überzeugen, wiewohl es nur noch Gessle und die fünf Mitmusiker waren, die auf der Bühne standen. Die zierliche Fredriksson wurde dorthin hingegen an der Hand geführt und nahm in der Mitte auf einem Sessel Platz. Mit immer noch burschikoser Ausstrahlung sang sie sich bemüht durch schnelle Gassenhauer à la "Sleeping In My Car" oder versuchte sich, nur von der Backgroundsängerin am Klavier begleitet, an einer reduzierten Version von "Watercolours In The Rain", die in das gleichermaßen melancholische "Paint" übergehen sollte.

Klischee-Schmäh
Besonders hier wurde es deutlich: Die Sängerin wirkte zerbrechlich, mühte sich durch die hohen Lagen, so sie den Versuch überhaupt wagte. In vielen Momenten wurde sie gesanglich, wenngleich unaufdringlich, von ihrer Kollegin unterstützt. Und Gessle arbeitete mehr oder weniger für zwei, animierte die Menge, sprintete mit langen Schritten und der Gitarre im Anschlag immer wieder quer über die simpel gestaltete Bühne oder parlierte mit seinem Bassisten. "Das ist Magnus. Er ist ein typischer Schwede, sieht mit seinem Bart aus wie ein Wikinger und fährt einen Volvo."

Um seichtes Geplänkel ging es aber nicht. Die Fans der Gruppe waren ohnedies aus anderen Gründen hier: Nicht nur bei "Spending My Time" erklang der Refrain aus Tausenden Kehlen und zeigte sich das Wiener Publikum in jeder Hinsicht sattelfest, was seine Lieblingssongs betraf. Am Ende gab es dann kein Halten mehr: Das durch den Filmklassiker "Pretty Woman" bekannte "It Must Have Been Love", der seinem Titel gerecht werdende "Joyride" sowie als Zugaben natürlich "Listen To Your Heart" und "The Look" - es wurden keine Wünsche offen gelassen.

Pure Popgeschichte
Nach mehr als eineinhalb Stunden verneigten sich die Protagonisten vor ihren Anhängern. Schließlich standen nur noch Gessle und Fredriksson da, Arm in Arm, und nahmen die Liebesbekundungen entgegen. Da stellte sich die Frage, warum die Gruppe ihr eigentlich erst im kommenden Jahr anstehendes 30-jähriges Bandjubiläum bereits jetzt so ausgiebig feiert, nicht mehr. Hier wurde vor allem einer die Ehre erwiesen, die mit ihren Songs und ihrer Stimme für viele fest in der Popgeschichte verankert ist.

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