Mo, 20. November 2017

Jazzfest Wien

08.07.2015 13:35

„Modfather“ Paul Weller ließ die Staatsoper beben

Beschallten im Vorjahr die Pet Shop Boys das "Off Opera"-Programm des Wiener Jazzfest mit knalligen Disco-Synthie-Rhythmen der 80er-Jahre, war es heuer "Modfather" Paul Weller vorbehalten, die Staatsoper mit rüdem Britrock zu beschallen. Das tat er nach fast siebenjähriger Abwesenheit mit energischer Brillanz.

Ernst Molden hat es nicht leicht beim Jazzfest Wien. Es ist das erste Mal, dass er in der Staatsoper auftritt, und dann soll er auch noch ein Publikum bespielen, das nach seinem Auftritt am Dienstagabend den "Modfather" Paul Weller erwartet. Doch Molden nimmt es gelassen, so wie er auch seine Musik nimmt.

Geschichtenerzähler
Zusammen mit Walther Soyka (Akkordeon), Hannes Wirth (Gesang, Gitarre) und Andrej Prozorov (Saxofon) spielt er "Ho Rugg" aus dem gleichnamigen Album. Er stellt gleich zu Anfang klar, was das Publikum in der ersten Stunde des Abends erwartet: breiter Dialekt und Musik von Österreich bis New Orleans. Dazwischen erzählt er Geschichten, mal lustig, mal traurig.

Im Gegensatz zu Ernst Molden ist Paul Weller kein Mann vieler Worte. Er lässt lieber die Musik für sich sprechen, beziehungsweise schreien. Die ersten drei Nummern spielt er Schlag auf Schlag, laut und begleitet von zahlreichen Lichteffekten. Wenn es kurz einmal still ist, dann nur, weil Weller das Instrument wechselt.

Bald wieder da
Zuerst das Altbekannte: Weller heizt das Publikum mit seinen großen Hits an, und das reagiert prompt. Die Ersten stehen bereits nach wenigen Minuten. Dann macht die Mod-Legende doch eine kurze Pause, erzählt, dass es nun doch ein Weilchen her sei, seit er das letzte Mal in Wien war. Bis zum nächsten Mal werde er aber nicht mehr so lange warten. Die Leute sind außer sich. Die ideale Voraussetzung, um die neuen Songs aus Wellers aktuellem Album zu spielen.

"Saturns Pattern", der Namensgeber der neuen Platte, kommt im wohl bekannten Weller-Sound daher, der mittlerweile ans Klavier gewechselt ist. Die zweite neue Nummer "Going My Way" mutet zuerst als sanfte Klavierballade an und gerade, als man sich fragen möchte, ob Paul Weller sich mit der rein gebrochenen, akkordischen Begleitung Richtung Altersmilde spielt, kommt eine der für ihn so typischen musikalischen Haken, zurück zu starken Gitarrenriffs und treibendem Grundbeat.

Kein Platz für Nostalgie
Nach diesem Ausflug ins neue Album kehrt Paul Weller doch wieder zurück zu den Klassikern. Von The Jam spielt er nur "Start" an, ansonsten lässt er die Nostalgie bleiben. Die Staatsoper bebt zu den Gitarrensoli bei "Come On Let's Go" oder "Brand New Toy", auch wenn die Soundeffekte und Verzerrer nicht immer ganz konform mit der Akustik der Staatsoper gehen. Mit einer sehr melancholischen, mit viel Platz für Wellers rauchige Stimme versehenen Interpretation von "You Do Something To Me" kommt wieder etwas Ruhe in die ausgelassene Menge, und mit "Wild Wood" kredenzt er dem Wiener Publikum gar einen Song, den er seit zwei Jahren nicht mehr spielte.

Trotz neuer Anklänge aus "Saturns Pattern" steht der Abend doch ganz im Zeichen des unverkennbaren Weller-Sounds. Zum Schluss will das Publikum ihn einfach nicht gehen lassen. Zwei Mal kommen Paul Weller und seine Band zurück auf die Bühne, um Klassiker wie "Out Of The Sinking" oder "My Ever Changing Moods" zu präsentieren. Der "Modfather" bleibt auch im Opernkorsett ein genialer Performer vor dem Herrn.

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