Di, 12. Dezember 2017

Neo-Finanzminister

06.07.2015 22:04

Tsakalotos: "Die Griechen haben Besseres verdient"

Er galt als aussichtsreichster Kandidat, jetzt hat er den wohl derzeit härtesten Job Griechenlands fix: Evklidis Tsakalotos wird neuer Finanzminister. Dies erklärte das Präsidialamt in Athen am frühen Montagabend. Tsakalotos war zuletzt Chefunterhändler in den Gesprächen mit den Gläubigern und löst damit Yanis Varoufakis ab, der am Tag nach dem Referendum, bei dem gut 61 Prozent der Wähler gegen die Forderungen der internationalen Gläubiger votiert hatten, zurückgetreten war. In der Eurogruppe dürfte der Neue für Erleichterung sorgen.

Kurz nach seiner Ernennung am Montagabend hat sich Tsakalotos für eine Fortsetzung der Verhandlungen Athens mit seinen Gläubigern ausgesprochen. "Ich denke, dass sich etwas in Europa ändern kann", sagte der 55-Jährige. Die Griechen hätten bei dem Referendum am Sonntag deutlich gemacht, dass sie "Besseres verdient haben" und eine "nicht-lebensfähige Lösung nicht akzeptieren" könnten.

Tsakalotos gab zu, angesichts des neuen Postens "Lampenfieber" zu haben. Es sei "nicht der einfachste Moment in der griechischen Geschichte", um Finanzminister zu werden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Varoufakis ist er Mitglied der Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Der 55-jährige Wirtschaftsprofessor Tsakalotos war als Vizeaußenminister bislang für internationale Wirtschaftsbeziehungen zuständig. Ende April hatte Tsipras sein von Varoufakis geleitetes Team für die Verhandlungen mit den internationalen Gläubigern aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF umgebildet. Er beließ Varoufakis damals vorerst im Amt, ernannte Tsakalotos aber zum "Koordinator".

In den praktischen Verhandlungen mit den Geldgebern spielte Varoufakis dann keine entscheidende Rolle mehr. Er hatte vor allem mit heftigen Angriffen auf die Gläubiger von sich reden gemacht und diesen noch am Samstag "Terrorismus" und "Erpressung" vorgeworfen. Beim Verlassen seines Ministeriums im Zentrum von Athen auf seinen möglichen Nachfolger angesprochen, antwortete Varoufakis am Montag nach seinem Rücktritt: "Ich hoffe, es ist Evklidis" - ein Wunsch, der wenige Stunden später in Erfüllung gehen sollte.

Neuer Minister gilt als "unauffällig und leise"
Dass der sehr viel zurückhaltender als Varoufakis auftretende Tsakalotos nun neuer Finanzminister wird, kann durchaus als ein Zeichen Tsipras' gewertet werden, Griechenlands internationalen Gläubigern entgegenzukommen. Tsakalotos trägt nie Krawatte, aber das ist eigentlich schon alles, was ihn mit seinem Vorgänger verbindet. Er ist ein zurückhaltender Typ, redet eher wenig und wirkt manchmal sogar etwas geistesabwesend. "Er ist unauffällig und leise", beschreiben ihn seine Mitarbeiter. Der 55-Jährige wolle eben arbeiten und nicht provozieren, meinen Analysten in Athen.

Tsakalotos - Spross einer reichen Familie - wurde 1960 in Rotterdam geboren. 1965 zog seine Familie nach England., wo er die Universitäten von Eaton und Oxford besuchte. Seitdem spricht er ein feines Oxford-English. Als er 1993 nach Griechenland kam, soll er Probleme mit der Muttersprache gehabt haben. 2010 machte ihn die Universität Athen zum Professor der Ökonomie. Tsakalotos ist mit einer Schottin verheiratet und hat drei Kinder.

Geldprobleme soll der neue Finanzminister des hoch verschuldeten Euro-Krisenlandes persönlich nie gehabt haben. Ein Kapitalist ist das Mitglied der linken Syriza-Partei damit aber nicht. Er habe ein Vermögen geerbt, sagt Tsakalotos immer wieder. Er könne nichts dafür.

Feuerprobe in Brüssel bereits am Dienstag
Bereits am Dienstag wird der 55-jährige Neo-Minister seinen ersten Auftritt in Brüssel bei der Tagung der Eurogruppe haben. Dass er es dabei nicht leicht haben wird, stellte bereits der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble klar: Er sagte Varoufakis' Nachfolger schwierige Zeiten voraus. Er werde in der "nicht einfachen" Situation sein, mit seinen Kollegen aus den anderen Euro-Ländern eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

Schäuble setzt darauf, dass der griechische Minister am Dienstag seinen Kollegen aus den anderen Euro-Ländern neue Vorschläge vorlegt. Noch könne er dazu aber nichts sagen. "Wir können einen Vorschlag nicht kommentieren, den wir nicht kennen, den wir (...) nicht bekommen haben", sagte er.

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