Mi, 13. Dezember 2017

Griechen-Referendum

05.07.2015 10:32

"Wenn dich jemand schlägt, sagst du Ja?"

Schon kurz nach Öffnung der Wahllokale geht es bei der Stimmabgabe im Süden Athens geschäftig zu. Hunderte Menschen strömten in den ersten zwei Stunden des Urnengangs zu der Schule neben der U-Bahn-Station Kallithea, um bei dem Referendum am Sonntag "Ja" oder "Nein" zu den Spar- und Reformmaßnahmen der Gläubiger Griechenlands zu sagen.

Einige sehen die Abstimmung als Votum gegen die Regierung von Premier Alexis Tsipras. "Ich glaube, es wird ein Ja werden", sagt Tryphon. Der Mittdreißiger glaubt, dass eine Zustimmung besser für das Land wäre. "Die Regierung hat systematisch gelogen in den letzten sechs Monaten. Wir vertrauen ihnen nicht."

Viele Nein-Wähler nennen hingegen das Verhalten Europas als Motiv. "Wenn jemand dich schlägt, sagst du dann Ja?", fragt der Pensionist Yanis, der mit seiner Frau Iliana zur Urne gekommen ist. "Ich bin sicher, es wird viel Druck aus Europa geben, aber es ist besser, für zwei, drei, fünf Monate Probleme zu haben, als sich seiner Freiheit für immer unsicher zu sein."

"Nein sendet starke Botschaft an die Europäer"
"Beide Antworten werfen echte Probleme auf, aber ein Nein sendet eine starke Botschaft an die Europäer", meint auch Theodoros Desos. Der etwa 50-Jährige glaubt, dass der Urnengang Hälfte-Hälfte für Ja und Nein ausgehen wird. So oder so gebe das Volk ein Mandat für das weitere Vorgehen. "Es ist besser, wenn gewählte Politiker entscheiden, nicht irgendwelche Beamte", sagt er.

"Wir sollten endlich raus aus der EU"
Neben dem Eingang zum Wahllokal schart sich auch ein kleines Grüppchen Aktivisten der Kommunistischen Partei Griechenlands, im Land als KKE bekannt. Sie wollen den Wählern in letzter Minute vom Urnengang abraten. "Ja oder Nein macht keinen Unterschied", sagt ein junger Anhänger der Partei. Die KKE ruft zum Wahlboykott auf und wirbt für ein "Doppel-Nein" - sowohl eine Ablehnung der Sparvorschläge der EU-Staaten als auch der Alternativ-Vorschläge von Tsipras. "Wir sollten endlich raus aus der EU", sagt eine Funktionärin, die Flugzettel austeilt.

Manche Wähler nehmen dennoch Hürden in Kauf, um ihre Stimme abzugeben. Eine junge Frau, die sich als Lida vorstellt, humpelt wegen einer Beinverletzung die Stufen zum Wahllokal hinauf. Der Gang bereitet sichtlich Schmerzen, aber das "Nein"-Stimmen war ihr wichtig, sagt sie. Was ihr Votum für sie bedeutet? "Freiheit."

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