Di, 21. November 2017

Operation „Volvo II“

02.07.2015 17:22

600 Kilo Koks auf Jacht: Vater und Sohn verhaftet

Zwei große Fische des Drogenmilieus, Safet K. und Ramo R., waren der Polizei bei der Operation "Volvo II" schon ins Netz gegangen. Nun klickten auch für die restlichen Beteiligten eines über den Atlantik hinweg agierenden Drogenrings die Handschellen - unter anderem für zwei Oberösterreicher. Die beiden Männer - Vater und Sohn - sollen als Skipper 600 Kilo Kokain von Brasilien nach Europa gebracht haben und wurden vor Kurzem in Steyr festgenommen.

Wegen Betrügereien saß der Vater (61) in Split in Haft - und wurde dort von einem Hintermann des selbst ernannten "Balkan-Escobars" Safet K. angestiftet, ins Geschäft einzusteigen. Mit seinem 35-jährigen Sohn legte sich der 61-Jährige daraufhin einen für Drogentransporte präparierten Katamaran zu, mit dem die beiden im Vorjahr 600 Kilogramm Kokain von Brasilien nach Spanien karrten. Dafür kassierten sie je 250.000 Euro. Dieser Transport konnte aber nicht observiert und abgefangen werden.

Ein weiterer solcher Riesentransport mit dem Katamaran, der heuer über die Bühne gehen sollte, ging aber daneben bzw. fand gar nicht erst statt: Ein Flugzeug mit 350 Kilo Kokain an Bord stürzte im Grenzgebiet zu Brasilien ab, Pilot und Co-Pilot überlebten aber und lieferten neue Hinweise über den Drogenring. In einem weiteren Flugzeug wurden insgesamt 250 Kilogramm Kokain sichergestellt.

"Die ganze Sache war hochkomplex"
Laut Andreas Holzer, Leiter der Abteilung für Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Bundeskriminalamt, war geplant gewesen, das Kokain im brasilianischen Forteleza auf ein Fischerboot zu laden und dann auf den vor der Küste wartenden - in Österreich registrierten - Katamaran der Oberösterreicher umzuladen. Dort hätte man das Suchtgift im eigens präparierten Depot unter Deck (Staukapazität: rund 600 Kilogramm) versteckt, um es dann nach Portugal oder Spanien zu bringen. "Die ganze Sache war hochkomplex", sagte Holzer. Umschlagplätze seien neben Ex-Jugoslawien auch die Niederlande gewesen.

Zweijährige Ermittlungen führten zum Ziel
Oberst Werner Jud, Leiter des Kriminalreferates des Stadtpolizeikommandos Graz, berichtete, man habe erste Hinweise auf das Netzwerk im Zuge einer anderen Ermittlung erhalten - und zwar bereits im Jänner 2013. Da stießen Polizisten auf eine Tätergruppe, worauf man sich mit dem Bundeskriminalamt und internationalen Kollegen wie der US-Anti-Drogenbehörde Drug Enforcement Agency zusammentat. Rund 30 Personen wurden seitdem in Österreich und Brasilien verhaftet, die letzten am Donnerstagvormittag: 14 in Kroatien und drei Slowenien.

"Von den Hinterleuten am Balkan und in Brasilien bis zu den österreichischen Tätern sind alle ausgeforscht", so Holzer. Sichergestellt wurden jede Menge Kokain und Heroin, Bargeld in Millionenhöhe, Dutzende Waffen - darunter zwei Kalaschnikows - und teure Autos. Der "Drogen-Katamaran" fristet sein Dasein noch vor Brasilien: "kaputt und mit mittlerweile gestohlenen Turbinen", so Holzer lakonisch.

Heroin kam aus der Türkei nach Europa
Das Heroin wurde aus der Türkei nach Europa geschmuggelt - und zwar über Safet K., von dem man seit 2004 wisse, dass er einer der wesentlichen Player des Drogenhandels in Südost- und Mitteleuropa war. Aus der Türkei sei über ihn Heroin in den Balkanraum gekommen. Grazer Ermittler fingen kürzlich 2,2 Tonnen Essigsäure ab, die für die Türkei bestimmt gewesen sei und zur Heroin-Herstellung erforderlich ist. Man hätte damit 4,4 Tonnen Heroin herstellen können, so der Grazer Ermittler Wolfgang Kollnegg. Im April 2015 stellte man im griechischen Hafen Patras rund 370 Kilogramm Heroin in einem Lastwagen sicher.

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