Di, 24. April 2018

Feuerpause

27.04.2006 07:10

Maoisten verkünden einseitige Waffenruhe

Die maoistischen Rebellen in Nepal haben einen Tag vor dem ersten Zusammenkommen des von König Gyanendra wieder eingesetzten Parlaments eine einseitige Waffenruhe ausgerufen. Sie solle für drei Monate gelten, hieß es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung der Rebellen. Zuvor hatten die Maoisten eine Blockade von Kathmandu und anderer Bezirkshauptstädte aufgehoben.

Die Rebellen seien damit einem Aufruf des designierten neuen Regierungschefs, des dreimaligen früheren Ministerpräsidenten Girija Prasad Koirala, nachgekommen, berichtete "eKanitpur" weiter. Koirala, auf den sich die Oppositionsparteien am Dienstag als Kandidat für den Posten des Regierungschefs verständigt hatten, habe den Maoisten zugesagt, dass das Parlament die Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung zu einer seiner Hauptaufgaben machen werde.

Nach wochenlangen Massenprotesten hatte sich der autoritär regierende König Gyanendra am Montag dem Druck der Straße gebeugt und die Wiedereinsetzung des vor vier Jahren aufgelösten Parlaments angekündigt. Am Freitag soll in Nepal das erste Mal seit vier Jahren wieder das Parlament tagen.

Im vergangenen Jahr hatte Gyanendra die gesamte Macht an sich gerissen und den Notstand ausgerufen. Nach wochenlangen Protesten der Opposition gab der Monarch Anfang der Woche nach. Die maoistischen Rebellen bezeichneten die Zugeständnisse der Königs jedoch als Augenwischerei. Die Gruppe kämpft seit 1996 gegen die Monarchie. Dabei kamen mindestens 13.000 Menschen ums Leben.

Soldaten erschießen sechs Menschen
Noch einen Tag zuvor hatten nepalesische Soldaten im Osten des Landes in eine aufgebrache Menge gefeuert und dabei sechs Menschen getötet. Die Sicherheitskräfte hätten sich gegen Demonstranten verteidigt, die gegen tödliche Schüsse von Soldaten auf eine jungen Frau protestiert hatten, teilten die Behörden mit. Der Vorfall soll nicht mit den Kundgebungen der letzten Tage gegen den König zusammen hängen. 

Rund 100 Menschen hatten vor einem Armeestützpunkt in der Nähe des Dorfes Belbari demonstriert. Die 22-jährige Frau sei von Soldaten wegen "verdächtiger Aktivitäten" erschossen worden, hieß es. Die Menge habe versucht, den Sicherheitskräften vor dem Stützpunkt die Waffen zu stehlen. Zur Selbstverteidigung hätten die Soldaten das Feuer eröffnet, teilte das Ministerium mit.

Unabhängig von dem Vorfall starb den Behörden zufolge ein Polizist bei einem Bombenattentat maoistischer Rebellen nördlich von Kathmandu.

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