Sa, 16. Dezember 2017

Kritik durch den VGT

02.07.2015 09:36

Anzahl der Versuchstiere 2014 weiter gestiegen

Ein Blick auf die am Mittwoch veröffentlichte Tierversuchsstatistik des Wissenschaftsministeriums zeigt: Die Anzahl benutzter Versuchstiere stieg wie in den Vorjahren weiterhin an. Fast 50 Prozent davon mussten "mittleres oder schweres Leid" erdulden. Tierschützer fordern erneut einen strengeren Kriterienkatalog.

Tierversuche würden "nur der Heilung von Menschen" dienen und seien "absolut unabdingbar", behauptet die Tierversuchsindustrie. Abgesehen davon würden immer mehr Alternativen entwickelt und alles sei bestens kontrolliert. Die Statistik spricht eine andere Sprache", kritisiert Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT). Laut dem Dokument handelt es sich bei 47 Prozent der Tierversuche um Grundlagenforschung, darunter fallen auch jene an genetisch veränderten Tieren.

Fast ein Drittel der Versuchstiere genetisch verändert
Während im Jahr 2013 28,5 Prozent aller Versuchstiere genetisch verändert waren, waren es 2014 bereits 38 Prozent. Zur angewandten Forschung zählen lediglich 22,9 Prozent der Tierversuche, fünf Prozent davon zur Veterinärmedizin, also ohne jeden Bezug zu menschlichen Krankheiten. "Und 22 Prozent der Tierversuche dienten der Verträglichkeitsprüfung von neuen Chemikalien bzw. der Qualitätsprüfung von entwickelten Stoffen. Gleichzeitig wurde das Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen in Linz finanziell ausgetrocknet", fasst Balluch zusammen.

"Mittleres oder schweres Leid" für 40,5% der Tiere
Besonders schrecklich für viele Tierfreunde ist die Bewertung des Leides, das die Tiere erdulden mussten. Diese wird von den Wissenschaftlern selbst vorgenommen. Balluch: "40,5 Prozent der Versuchstiere mussten mittleres oder schweres Leid erdulden – nach den Angaben der Tierexperimentatoren selbst, die vermutlich desensibilisiert sind und das den Tieren zugefügte Leid systematisch unterschätzen." Unter den 209.183 eingesetzten Versuchstieren waren laut Statistik des Ministeriums 3.589 Schweine, 8.176 Kaninchen und 2.127 Hühner. "Seit 1999, dem Minimum mit 130.295 Tieren, steigen die Versuchstierzahlen unaufhörlich an. Und das, obwohl die Tierversuchsindustrie ständig von ihrer '3-R'-Strategie schwärmt, zu der die Reduktion der Tieranzahl gehört", ärgert sich Balluch, selbst Mitglied der Tierversuchskommission.

Balluch: "Brauchen strengeren Kriterienkatalog"
"Die Tierversuchspraxis in Österreich ist ein Albtraum für die Versuchstiere. Die Anzahl der Versuche steigt von Jahr zu Jahr, immer mehr Tiere werden gentechnisch verändert, die Hälfte der Versuche dient nur der Neugier und hat mit der Entwicklung von Heilmethoden für Menschen überhaupt nichts mehr zu tun. Was wir brauchen ist ein strenger Kriterienkatalog, der jeden beantragten Tierversuch einer Schaden-Nutzen-Abwägung unterzieht und keinesfalls mehr Tierversuche zulässt. Es sollten nur solche Versuche können zugelassen werden, die eine Verbesserung der Lebensqualität von Mensch und Tier bringen. Darunter fallen aber die allermeisten der heutigen Tierversuche längst nicht mehr", schließt der VGT-Obmann.

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