Di, 21. November 2017

2 Jahre teilbedingt

01.07.2015 14:18

Unzählige Male mit Bomben gedroht: Mann verurteilt

Weil er unzählige Male bei der Polizei angerufen und mit Bomben gedroht hatte, ist am Donnerstag ein 36-jähriger Wiener im Landesgericht rechtskräftig zu zwei Jahren teilbedingt verurteilt worden. Der psychisch auffällige Mann ist seit Jahren amtsbekannt. Er war bereits Gegenstand einiger Ermittlungsverfahren. Wenn er sich ärgert, greift er zum Telefon und sorgt für Großeinsätze der Polizei.

Als er etwa am Heiligen Abend die Telefonseelsorge nicht erreichen konnte, kündigte er fernmündlich an, er werde diese sprengen. Weil er sich von der Kundenhotline der Telekom Austria nicht verstanden fühlte, gab er zwei Mal bekannt, er werde die Zentrale in die Luft jagen. Beide Male - am 26. Februar und am 12. März 2015 - wurde das Gebäude evakuiert. Jeweils 850 Personen wurden ins Freie gebeten. In der Zentrale der Wiener Stadtwerke wurden am 4. Februar nach einem entsprechenden Anruf sogar an die 1.000 Personen nach draußen gelotst.

Von Bombendrohungen betroffen waren auch der Radiosender Ö3, das Wiener Allgemeine Krankenhaus  sowie mehrere Bahnhöfe in der Bundeshauptstadt, wobei der 36-Jährige stets erklärte, er habe einen Koffer bzw. eine Aktentasche mit einer Bombe am Bahnsteig abgestellt. In der Verhandlung wurde rasch klar, dass bei dem Ganzen die psychische Disposition des Mannes eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte. "Sind Sie mit der Radiomoderatorin verwandt?", wollte der Angeklagte gleich zu Beginn von Richterin Martina Krainz wissen. Als diese verneinte, kicherte und kuderte der 36-Jährige, fuhr sich mit den Händen übers Gesicht und riss nervös an seinen Fingern. Die Staatsanwältin nannte er im Anschluss mehrfach "Frau Lydia".

"Das macht mich so ärgerlich"
"Frau Lydia, es war nicht so, dass ich das ernst gemeint habe", gab er zu Protokoll. Wenn ihn jemand beschimpfe oder ungut behandle, "macht mich das so wütend". Wenn er sich deswegen bei der Polizei beschwere, werde er abgewiesen: "Das macht mich so ärgerlich. Wenn die zu mir 'Trottel' sagen, ist es logisch, dass ich ihnen mehr Arbeit machen will."

Nach seinen Anrufen begab sich der 36-Jährige stets an die Örtlichkeiten, wo er sich am Großaufgebot der Exekutive vergnügte. "Er wollte mit der Polizei reden und die Aufmerksamkeit bekommen, die er haben wollte", sagte die Staatsanwältin. Zumindest einmal wurde der Mann dabei beobachtet, wie er sich beim Zuschauen selbst befriedigte. Darauf von der Richterin angesprochen, erklärte der Angeklagte: "Ein bisschen erregt es mich schon."

Schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert
Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der 36-Jährige von einer mindergradigen Intelligenz und einer schweren Persönlichkeitsstörung gekennzeichnet. Diese schließe "infantile Wichtigtuerei" mit ein. Eine geistige Abnormität liege vor, die Voraussetzungen für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher seien aber "noch nicht" gegeben, so die Sachverständige Gabriele Wörgötter. Auch das Gefährdungspotenzial soll noch in überschaubarem Rahmen liegen, sodass laut Gutachten Zurechnungsfähigkeit zu den jeweiligen Tatzeitpunkten gegeben war.

Auf Basis dieser Ausführungen wurde der Mann wegen schwerer Nötigung, versuchten Landzwangs und gefährlicher Drohung schuldig gesprochen. Von den zwei Jahren muss er acht Monate absitzen, 16 Monate wurden ihm unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Zudem wurde ihm die Weisung erteilt, nach seiner Entlassung in eine sozialtherapeutische Einrichtung zu ziehen, sich einer Psychotherapie zu unterziehen und weiter seine Medikamente einzunehmen.

"Ich nehme meine Medikamente und habe mich beruhigt"
Er werde sich zukünftig richtig verhalten, sicherte der 36-Jährige abschließend zu: "Dieses Mal werde ich das nicht mehr tun, so wahr mir Gott helfe. Ich nehme meine Medikamente und habe mich beruhigt." Die Staatsanwältin war davon weniger überzeugt: "Er wird die Anrufe weiter tätigen, wenn er sich ärgert und niemanden hat, mit dem er drüber reden kann."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden