Do, 19. Oktober 2017

381.898 ohne Job

01.07.2015 09:09

182 Prozent Plus bei den Langzeitarbeitslosen

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist auch im Juni wieder gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren um 7,7 Prozent mehr Menschen ohne Job. Damit belief sich die Zahl der Arbeitslosen auf 381.898 Personen, teilte das AMS am Mittwoch mit. Immer dramatischer wird die Lage für Langzeitarbeitslose: Hier gab es im Jahresvergleich eine Zunahme von gleich 182 Prozent.

Die Arbeitslosenquote stieg nach nationaler Definition um 0,9 Prozent und beträgt 8,3 Prozent. Der aktuelle Wert gemäß der Erhebungsmethode von EUROSTAT wird für Österreich mit 6,0 Prozent angegeben, die Jugendarbeitslosenquote mit 10,1 Prozent, berichtete das Sozialministerium.

Starkes Plus auch bei Ausländern
Immer dramatischer wird die Lage für Langzeitarbeitslose. 32.720 Personen waren länger als ein Jahr ohne Arbeit, eine Zunahme von 182 Prozent. Schlecht schaut es weiterhin auch für Ausländer aus - hier stieg die Zahl der Jobsuchenden um 26 Prozent. Ebenfalls nicht rosig ist die Situation für Ältere und Menschen mit Behinderung. Bei den Über-50-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit um 16 Prozent, ebenso bei Menschen mit Behinderung. Nach Branchen betrachtet schnitten einmal mehr die Arbeitskräfteüberlassung und der Bau besonders schlecht ab (plus 13 bzw. 14 Prozent).

Zahl der AMS-Schulungen im Sinken
Positives gibt es vom Lehrstellenmarkt zu vermelden: Die Zahl der Suchenden sank um 23 Prozent auf immerhin noch 4.909 Personen. Die Zahl der offenen Stellen blieb mit 2.684 stabil. Bei den Schulungsteilnehmern gab es einen Rückgang von 16 Prozent auf 61.726. Das AMS hat etwas weniger Mittel zur Verfügung als zuvor, das hat sich auch auf die Zahl der Schulungen negativ ausgewirkt und zu Protesten der Mitarbeiter der Weiterbildungseinrichtungen geführt.

Wien mit den schlechtesten Zahlen
Nach Bundesländern betrachtet schnitt Wien mit einem Plus von 23 Prozent auf 122.007 Arbeitslose am schlechtesten ab, dahinter folgen Oberösterreich mit einer Zunahme von zwölf und Niederösterreich mit einem Plus von elf Prozent.

"Arbeitsmarktpolitik stößt an ihre Grenzen"
In absoluten Zahlen stellt sich die Arbeitslosigkeit in Österreich wie folgt dar: Innerhalb eines Jahres hat die Zahl der Suchenden um 27.259 Menschen zugenommen. Alleine im Handel ist die Zahl derer, die keine Arbeit fanden, um 4.757 Personen gestiegen, im Tourismus waren es 3.982. Dem steht ein Zuwachs der gemeldeten offenen Stellen von 878 gegenüber - über alle Branchen hinweg. Sozialminister Rudolf Hundstorfer hielt zu den Zahlen fest: "Die Arbeitsmarktpolitik stößt an ihre Grenzen." Da sei eine "gesamtwirtschaftliche Unterstützung notwendig".

Anfang Mai hatten sich Hundstorfer und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner angesichts der stetig steigenden Arbeitslosenzahlen und des Rückfalls Österreichs im internationalen Vergleich auf einen Arbeitsmarktgipfel verständigt. Im Mai ist Österreich im OECD-Vergleich innerhalb der EU bei den Arbeitslosenzahlen auf den sechsten Platz zurückgefallen. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegt Österreich mittlerweile nur noch auf dem drittbesten Platz - dabei war das Land noch vor gar nicht allzu langer Zeit europäischer Musterschüler.

Arbeiterkammer: "Worten müssen Taten folgen"
Für die Arbeiterkammer läuten alle Alarmglocken. "Den Worten müssen nun Taten folgen. Die Regierung muss die Ärmel hochkrempeln und Beschäftigungsinitiativen dringend anpacken", so AK-Präsident Rudi Kaske. Er verlangt "Investitionen in soziale Dienstleistungen, Wohnbau und Infrastruktur, neue Formen der Arbeitszeitverkürzung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen". Unterstützung bekommt er vom Pensionistenverband. "Diese Negativ-Spirale muss gestoppt werden. Dafür muss aber die Wirtschaft endlich ihrer Pflicht nachkommen. Dafür brauchen wir das Bonus-Malus-System", so Generalsekretär Andreas Wohlmuth.

Davon hält wiederum die Industriellenvereinigung nichts. "Das österreichische Arbeitszeitrecht ist unübersichtlich und sehr restriktiv. Die Rahmenbedingungen entsprechen vielfach nicht den Notwendigkeiten einer modernen, global vernetzten Arbeitswelt", so Generalsekretär Christoph Neumayer. Ein "wesentlicher Hebel" sei auch die Senkung des Beitrags zum Familienlastenausgleichsfonds.

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