So, 25. Februar 2018

"LinkedNews"

27.06.2015 08:30

Wiener Forscher planen die Zukunft des Fernsehens

Die Zeiten, als das TV-Gerät die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuseher genoss, sind vorbei. Smartphones und Tablets lenken während des TV-Konsums immer öfter vom Programm ab und beanspruchen die Aufmerksamkeit für sich. Während viele Nutzer sich dabei nicht mit dem TV-Programm beschäftigen, googeln manche auch nach weiterführenden Infos. Für diese Personengruppe hat der an der Wiener Modul-Privatuni lehrende Medientechnik-Professor Lyndon Nixon gemeinsam mit einem internationalen Expertenteam "LinkedNews" entwickelt.

"Smart-TVs sind eigentlich nicht wirklich smart", erklärt Nixon. Zwar können sie schon jetzt Infos wie das Wetter oder Nachrichten aus sozialen Netzwerken während des Fernsehens anzeigen, zum laufenden Programm passen die aber selten. Wer einen Beitrag über ein tropisches Inselparadies sieht, möchte vielleicht das aktuelle Wetter dort erfahren. Oder mehr über seine Geschichte lernen. Ohne manuelle Recherche geht das bislang nicht.

Die Erfindung der Forscher soll TV-Zusehern in Zukunft über das Internet dagegen genau die Infos auf ihr Smartphone oder Tablet liefern, die das Programm am besten ergänzen. "LinkedNews" soll Begriffe erklären, weiterführende Lektüre anbieten und weitere Videos zu bestimmten Themen liefern, ohne dass der Nutzer diese Dinge selbst im Netz suchen müsste.

Beiträge werden "zerlegt" und mit Infos angereichert
Auf technischer Ebene werden TV-Beiträge dazu in ihre Bestandteile "zerlegt", also in einzelne Szenen aufgeteilt, die bestimmte Themen behandeln oder bestimmte Personen zeigen. Zu diesen Themen oder Personen kann dann der TV-Sender Zusatz-Infos zusammenstellen, die dem Zuschauer beim Fernsehen automatisch präsentiert werden.

Alternativ kann die in Zusammenarbeit mit dem deutschen TV-Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg geschaffene Lösung auch automatisiert nach Schlagworten suchen und die wichtigsten Infos vollautomatisch - etwa von Wikipedia - laden. Das ist zwar nicht so zuverlässig wie die manuelle Variante, funktioniert aber ebenfalls bereits. Das Ziel ist in beiden Fällen, dem Nutzer ohne sein Zutun jene Infos am Zweitbildschirm zu präsentieren, die ihm wirklich etwas bringen.

"LinkedNews" ist derzeit noch Zukunftsmusik
In der Praxis muss man sich das so vorstellen: Am TV-Gerät läuft der Nachrichtenbeitrag, während der mit einem Tablet ausgestattete Nutzer gemütlich zusieht. Das Tablet läuft, kann aber getrost hingelegt werden, weil es die wichtigsten Infos ohnedies automatisch besorgt und zeitlich passend einblendet. Zum Tablet greifen braucht der User nur dann, wenn er sich für ein Thema so sehr interessiert, dass er auch später noch Infos dazu abrufen will. In diesem Fall wird ein Lesezeichen gesetzt, damit das Thema später wieder auffindbar ist.

Noch handelt es sich bei "LinkedNews" um ein Zukunftsprojekt, das wohl erst in einigen Jahren die Wohnzimmer erobert. Auch, weil derzeitige TV-Technologien für die simultane Übertragung von Fernsehbildern und Online-Inhalten nur bedingt geeignet sind. Nixon hofft aber, mit dem kommenden Standard HbbTV 2 dann jene Übertragungsmechanismen zur Verfügung zu haben, die für sein Projekt nötig sind.

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