Im Suff ausgerastet

Kind in Müllcontainer geworfen

Österreich
21.04.2006 10:59
Wie oft sieht man dieses Bild vor Gericht: Der Täter, ein stämmiger, fast bulliger Mann kann sich an nichts erinnern. Das Opfer, eine puppenhaft zierliche Frau, schon - die Schläge, die Angst und die Panik, als ihre Wohnung brannte und ihr eineinhalbjähriges Söhnchen in einer Novembernacht im Müllcontainer landete...

Arm! Der Täter. Immer wenn Harald S. (26, Anwalt Christian Werner) Alkohol trinkt, weiß der Gute nicht mehr, was er tut. "Es hat dann oft Raufereien gegeben, deswegen hab ich ja fünf Jahre fast nix getrunken", murmelt der zehnfach vorbestrafte technische Angestellte vor Richter Hahn in Wien.

Dann lernt er im Sommer 2005 Daniela kennen. 21 Jahre, Mutter von Noah. Die beiden wohnen im selben Haus, und aus Freundschaft wird eine Beziehung. "Er hat mir auch von seinen dunklen Seiten erzählt und versprochen, die ist er los", sagt sie. Ganz leise. Wirklich arm. Er muss abgeführt werden, als sie erzählt. Und immer wieder kommen die Tränen.

Es war der 6. November. Eine kalte Nacht, als die beiden von einem Lokal nach Hause gehen. "Er hat mir stockbetrunken irre Dinge an den Kopf geworfen. Und mich geschlagen." Daniela wird verletzt. Prellungen, Abschürfungen. Während sie flieht, besorgt er sich den Schlüssel zu ihrer Wohnung und zündet diese an.

Und Noah, der in seinem Bettchen schlief, nimmt er heraus und wirft ihn im Hof in den großen Müllcontainer. "Ich wollte ihr wirklich wehtun", sagt er zur Polizei. Daran erinnern kann er sich mittlerweile nicht mehr. Daniela schon. Sie braucht dringend Therapie. "Die kann ich mir aber nicht leisten. Ich bin doch in Karenz."

Herr S. akzeptiert huldvoll 2000 Euro. Und auch das Urteil des Senats - drei Jahre Haft.

Text: Susi Hauenstein, Kronen Zeitung

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