Mo, 20. November 2017

Zweimal live in Wien

28.06.2015 06:00

Helene Fischer: Schlagerkönigin als Popstar

Neun Millionen verkaufte Alben und die "Farbenspiel"-Tour, die noch 60 weitere Millionen einbringen soll: Deutschlands Schlagerkönigin Helene Fischer ist derzeit erfolgreicher als alle Pop-Acts und füllt in Kürze auch zweimal das Wiener Ernst-Happel-Stadion. Wie macht sie das? Was macht die in Krasnojarsk geborene Künstlerin so erfolgreich? Wir haben hinter die Kulissen geblickt.

Ihre Bühne ist so groß wie die der Rolling Stones, die Feuerfontänen und Konfettikanonen toppen Glitzer-Girl Katy Perry, mit ihren zahlreichen Bühnenkostümen macht sie Lady Gaga, wenn auch weniger exzentrisch, Konkurrenz - und zum krönenden Abschluss fliegt sie im Highspeed-Tempo über die Köpfe der Fans hinweg quer durchs Stadion, so dass Akrobatik-Rockerin P!nk fast zur müden Hummel verblasst. Helene Fischer (30), unangefochtene Queen of Schlager, lässt die Popwelt ziemlich alt aussehen.

Schlager ist wieder cool
Angegraute Ehepaare schunkeln in trauter Verzückung, harte Typen in Lederjacke heben ihr Bier auf Helenes Wohl, Kinder singen jede Textzeile mit und knospende Teenies wollen so sein, wie sie. Helene Fischer eint alle Generationen und Gesellschaftsschichten. Schlager darf man wieder mögen, ohne Gefahr zu laufen, dass man in Sachen Hipness der Generation 60 plus zugerechnet wird. Helene Fischer macht's möglich!

Hinter diesem allumfassenden Erfolg steckt harte Arbeit - und eine perfekte Marketingmaschinerie. Auf dem Weg zu Deutschlands beliebtester Powerfrau gab es keine einzige unnötige Umleitung. Der Königinnenmacher im Hintergrund ist Musikmanager Uwe Kanthak, der Rex Gildo und Nino de Angelo in die Charts führte. Schon einmal versuchte der Marketing-Profi, den Mief der Schlagerbranche zu durchbrechen - und zauberte die süße Michelle ("Wer Liebe lebt") aus dem Hut. Für den ganz großen Durchbruch reichte es damals nicht.

Tränen für den Erfolg
Er witterte seine Chance, als das Demoband der 1984 in Sibirien geborenen Jelena Petrowna Fischer auf seinem Schreibtisch landete. Die wollte zwar Pop machen, doch er überzeugte sie, auf Schlager zu setzen. Unter Tränen gab sie nach. Mit seinen Beziehungen brachte Kanthak seinen Schützling 2005 in der absoluten Millionen-Show der Schlagerwelt unter - beim "Hochzeitsfest der Volksmusik". Nicht nur das - die unbekannte Sängerin, damals noch als Helen Fisher angekündigt, durfte gleich Seite an Seite mit dem TV-Liebling Florian Silbereisen tanzen. Ein absolutes Traumpaar - fast zu schön, dass die beiden später tatsächlich zum makellosen Liebespaar wurden, wie es sich die Society-Magazine nicht glänzender hätten ausmalen können. Etwaige Marketing-Gerüchte rund um ihre Liebe lächeln die beiden stets vom Tisch.

Die Herzen der alteingesessenen Schlagerstars eroberte sie mit den Festen der Volksmusik im Sturm - doch Helene und Uwe Kanthak wollten Grenzen niederreißen. Ihre Geheimwaffe war ausgerechnet Kanthaks Ex-Frau, die Schlagersängerin Kristina Bach: Sie lieferte den Joker, der Helene Fischer endgültig in die Oberliga katapultierte: Sie schrieb den Mega-Hit "Atemlos". Dieses eine Lied in Kombination mit seiner jungen, stimmgewaltigen Interpretin reichte aus, um die Ressentiments dem angestaubten Genre gegenüber zu zerstören. Als "Ich mag keinen Schlager, aber Helene Fischer ist schon ziemlich geil"-Trend bezeichnete die Zeitung "Die Welt" diesen Hype rund um die Blondine.

Das "Fräulein Fehlerfrei"
Mittlerweile hat sie ihre eigene TV-Show, spielte im coolen "Tatort" ebenso mit wie in der rosaroten Welt des "Traumschiffs", brachte die deutschen Weltmeister Schweinsteiger, Lahm & Co. dazu, sich vor ihr zu verneigen und füllt nicht nur die größten Hallen, sondern sogar ganze Stadien, u. a. am 30. Juni und 1. Juli das Wiener Ernst-Happel-Stadion. "Durch Helene Fischer ist der Schlager wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie ist extrem sympathisch, sexy und modern - ein Fräulein Fehlerfrei", meint der Musikwissenschafter Martin Lücke über ihren Siegeszug.

Der Hype um die schöne Helene lässt natürlich auch die Kassen klingeln. Mehr als neun Millionen Alben hat Helene Fischer bis heute verkauft, laut Branchenkenner erhält sie ca. einen Euro pro verkaufter Scheibe. Ihre "Farbenspiel"-Tournee soll in diesem Jahr noch bis zu 60 Millionen Euro einspielen. Für ein Privatkonzert der Sängerin müsste man mittlerweile stolze 250.000 Euro locker machen. Und natürlich sind Merchandising-Artikel mit Helenes Antlitz ein echter Bestseller. Schon 2009 wurde "Helene Fischer" als Marke beim Patentamt eingetragen.  Mittlerweile gibt es vom Helene-Becher über Polsterbezüge bis hin zur Stehlampe nichts, was sich mit der Schlagerkönigin nicht gut verkaufen lassen würde.

Moderne Werbe-Ikone
Das hat auch die Werbebranche erkannt. Die 30-Jährige steht für Sympathie und Glaubwürdigkeit - damit lässt sich Kräuterbutter ebenso bewerben wie Autos. Meggle, VW und Tchibo haben sich die Werbe-Ikone gesichert – garantiert auch um eine Millionengage. Die sich lohnt: Laut einer Studie hat sich der Bekanntheitswert von Meggle um einen zweistelligen Prozentsatz gesteigert.

Wo der Erfolg groß ist, sind die Kritiker nicht weit: Immer mehr meinen, dass Helene Fischer längst Ausverkauf mit sich selbst betreibt. Die Luft an der Spitze ist dünn - und viele kommen da oben leicht ins Straucheln. "Das Repertoire ist nicht tragfähig genug, um sie über die nächsten zehn Jahre zu bringen", sagt zum Beispiel der Schlagerforscher Ingo Grabowsky von der Universität Bochum. "Sie muss mehr in die Tiefe gehen." Aber wenn eine das schafft, dann Zauberfrau Helene Fischer.

Restkarten für die beiden Shows am 30. Juni und 1. Juli im Happel-Stadion erhalten Sie noch unter 01/960 96 999 oder im "Krone"-Ticketshop.

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