So, 25. Februar 2018

Preis-Verfall

22.06.2015 16:23

Qualitätsmilch als Ramsch-Ware

Noch im März fieberten viele heimische Bauern dem Ende der Milchquote und einem uneingeschränkten Markt entgegen. Nicht einmal drei Monate später die herbe Ernüchterung: Der Druck, am internationalen Markt zu bestehen, ist für die steirischen Landwirte enorm, die Preise rasseln zusehends in den Keller.

Statt uneingeschränkt Milch zu produzieren und zu einem guten Preis zu verkaufen, sind die Landwirte heute froh, wenn ihre Milch überhaupt Abnehmer findet. Sich weitere Kühe in den Stall zu stellen, so wie es im Vorfeld des Quoten-Aus von offizieller Stelle gern empfohlen wurde, kommt derzeit nicht in Frage: "Ohne meiner Forstwirtschaft und den Fremdenzimmern könnt’ ich zusperren", sagt Milchbauer Herbert Kammerhofer aus Aflenz.

Anfang des Jahres betrug in Österreich der durchschnittliche Nettopreis für ein Kilo Milch 38,6 Cent. Heute sind es 32,15 Cent. Und die Spirale dreht sich noch weiter: Die Berglandmilch kündigte als eine der ersten Molkereien dieser Tage an, per 1. Juli unter die 30-Cent-Grenze zu gehen. "Innerhalb eines halben Jahres ist der Preis damit um ein Drittel gefallen. Von den 43 Cent pro Kilo Ware, die ein Milchbauer zumindest bräuchte, um kostendeckend arbeiten zu können, entfernen wir uns immer mehr", sagt Kammerhofer.

Der letzte seiner Art
Auch Franz Hofstätter aus dem südsteirischen Unterzirknitz stehen die Sorgen ins Gesicht geschrieben. "Wie soll’s mir gehen? Ich krieg’ heute gleich viel wie vor 20 Jahren". Dem 52-jährigen Vollerwerbsbauer, stolzer Herr über 25 Kühe, ist die ewige Jammerei eigentlich zuwider, aber in Zeiten wie diesen könne einen der Optimismus schon abhanden kommen: "Früher waren wir im Ort zehn Bauern, jeder hatte seinen Traktor und seine Geräte. Heute gibt’s nur noch mich."

An eine Besserung der Situation glaubt eigentlich niemand mehr: "Dieser Zug ist abgefahren. Der Preis wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn genug Bauern aufgehört haben."

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