Do, 23. November 2017

Red Bull vor Debakel

20.06.2015 08:28

Helmut Marko: „Wir haben keine Chance auf Punkte“

Motorsportberater Helmut Marko war der Frust anzusehen. Red Bull dürfte ausgerechnet beim Heimrennen in Spielberg das größte Debakel der Saison bevorstehen. "Wir haben keine Chance auf Punkte", meinte Marko nach dem freien Training. Aussicht auf baldige Besserung ist nicht gegeben. In einem Meeting nächste Woche soll Renault seine Pläne zur Motoren-Entwicklung präsentieren.

Der PS-Nachteil der Franzosen kommt auf der Berg-und-Tal-Bahn in der Steiermark besonders zum Tragen. Daher hat sich Red Bull auch entschlossen, bei beiden Autos eine Rückversetzung um zehn Startplätze hinzunehmen. Dafür dürfen sie die jeweils fünften Verbrennungsmotoren der Saison einsetzen. Sollten es Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat am Samstag nicht in die finale Quali-Phase der besten zehn schaffen, warten im Rennen dadurch aber zusätzlich Zeitstrafen.

"Wir sind hier, um wettbewerbsfähig anzutreten. Davon sind wir im Moment meilenweit entfernt", fand Marko klare Worte. Dabei hatte sein Team von 2010 bis 2013 noch vier WM-Titel in Serie geholt. Mit den neuen Hybridantrieben kommt Red Bull allerdings nicht zurecht. Auch Designgenie Adrian Newey dürfte offensichtlich nicht die optimale Lösung gefunden haben. Als Ursache allen Übels machen die Bullen aber den Renault-Antrieb aus.

Mit den Franzosen hat Red Bull Racing 50 Rennen und alle seine WM-Titel gewonnen. In dieser Saison reichte es noch nicht einmal zu einem Podestplatz. Kommende Woche soll der Motorenpartner die aktuellsten Prüfstandsdaten auf den Tisch legen. "Ende des Monates gibt es ein Meeting, in dem Renault präsentiert, wie es in der Motorenentwicklung weitergehen soll", sagte Marko. "Dann sehen wir weiter."

Ärger bei Mateschitz
Mittlerweile wächst auch der Unmut von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. "Für ihn ist es nicht zufriedenstellend - auch, dass die Formel 1 generell an Attraktivität verliert", erklärte sein Vertrauensmann Marko. "Um diese Summen zu rechtfertigen, müssen wir zumindest vorne mitfahren können. Das tun wir aber nicht." Der Ausstieg des heimischen Getränkeriesen aus der Königsklasse sei daher weiterhin "nicht ausgeschlossen".

Mateschitz war bereits am Freitag vor dem Heimrennen an der Strecke. Dem Nachmittagstraining ließ er eine längere Unterredung mit Marko und Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda folgen. Auch mit Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone dürfte er im Lauf des Wochenendes zusammentreffen.

Berger sieht für Red Bull keine Alternativen
Gerhard Berger kann den wachsenden Unmut über die aktuelle Situation mit Motorenpartner Renault nachvollziehen. "Die Alternativen sind nicht da, das ist das Frustrierende", erklärte der Ex-Pilot. Red Bulls Renault-Vertrag läuft bis Ende 2016, danach ist alles offen. "Ein Kundenteam von Ferrari oder Mercedes zu sein, löst das Thema auch nicht", betonte Berger. Dass die Mitbewerber einem WM-Rivalen den besten Motor überlassen würden, glaubt der 55-Jährige nämlich nicht.

Eher schon vorstellbar sei ein noch nicht in der Königsklasse engagierter Automobilhersteller der Premiumklasse als Motorenpartner. "VW ist so ein Premium-Denker", sagte Berger. Schon seit einigen Monaten halten sich Gerüchte über einen geplanten Formel-1-Einstieg des größten europäischen Automobilkonzerns mit den Marken Audi oder Porsche. "Red Bull und Porsche oder Audi wäre absolut eine Konstellation, die Mercedes fordern kann", meinte Berger.

Kurzfristig ist Red Bull aber den Weiterentwicklungen von Renault ausgeliefert. "Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass Renault aus der Talsohle rauskommt", urteilte der ehemalige Formel-1-Pilot.

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