Di, 21. November 2017

Acht-Stunden-OP

17.06.2015 23:48

Toni (4) wurde der Zeigefinger wieder angenäht

Tapfer zeigt der vierjährige Anton seinen Zeigefinger her – das ist für den Buben aus Schörfling am Attersee keine Selbstverständlichkeit. Denn beim Spielen mit der Axt war ein böser Unfall passiert, bei dem der Finger amputiert wurde. Im Salzburger Unfallspital konnte er in einer achtstündigen Operation gerettet werden.

Der kleine Anton (4) aus Schörfling am Attersee ist ein aufgewecktes Kind: Er kuschelt sich an die Mama und kann sogar schon wieder greifen und den Farbstift halten. Nur ein lockerer Verband erinnert noch daran, was der tapfere Bub durchgemacht hat
Bereits Anfang Mai überschlugen sich die Ereignisse: "Wir haben eine andere Familie besucht", erzählt Mama Margit Leberbauer. Nur für einen kurzen Moment gerieten die Spielkameraden aus dem Blickfeld: Sie erkundeten die Werkzeughütte. Da passierte es. Ein Schlag mit einer Hacke trennte dem Vierjährigen den rechten Zeigefinger ab.

"Ich habe zuerst geglaubt, ich kippe um", erzählt die Mutter.  Notarzt, Hubschrauber – alle waren rasch zur Stelle. Das Unfallopfer verlor keine wertvolle Zeit auf der Straße. Und kam schnell in die Obhut von Primar Josef Obrist und seinem  Replantationsteam. Ein so kleiner Patient ist selbst für die Spezialisten eine enorme Herausforderung. Die Gefäße sind noch nicht fertig ausgebildet: "Sie liegen bei Erwachsenen im Millimeter-Bereich, bei Kindern sind es Zehntel-Millimeter", erklärt Primar Obrist und betont, wie wichtig es in so einem schlimmen Moment ist, den abgetrennten Finger richtig zu transportieren: "Am  besten in einem Plastiksack, gekühlt bei rund 4 Grad. Eis aber nicht direkt dazu geben", rät er.

50-Prozent-Chance
Dr. Egbert Ritter und Dr. Florian Müller leiteten die achtstündige Operation. "Die Chance lag bei 50 Prozent, dass wir es schaffen." Dr. Müller über die hauchdünnen Bruchstellen: „Zuerst muss man einmal die Enden der Gefäße und Nerven finden.“ Erst nach  vier Stunden schöpften die Mediziner konkrete Hoffnung.  Und mit der zweiten angenähten Arterie floss dann endlich Blut und damit Leben zurück in den Finger.

"Derartige Verletzungen sind bei so kleinen Kindern selten", berichtet Primar Obrist. Die Gefäße sind zwar winzig, dafür "geht die Regeneration rasend schnell voran". Entscheidend waren die ersten Tage nach der OP, dann gab’s Entwarnung. Zehn Tage musste der Vierjährige im Bett bleiben. "Er hat gar nicht viel gejammert", ist die Mama stolz. Zwei Bohrdrähte fixierten seinen Finger bis vor kurzem. Und jetzt klingt die von Zittern geprägte Zeit mit wertvoller Ergotherapie aus.

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