So, 27. Mai 2018

Kaum Luft zum Atmen

16.06.2015 12:39

Schlepperdrama: "Qualvoller" Transport endet in NÖ

Im niederösterreichischen Fischamend ist am Sonntag ein groß angelegter Schleppertransport aufgeflogen. Etwa 40 afghanische Staatsbürger, unter ihnen auch kleine Kinder, waren auf der nur sieben Quadratmeter großen Ladefläche eines Kleintransporters unter qualvollen Bedingungen illegal nach Österreich gebracht worden. 23 von ihnen wurden angehalten. Der Lenker des Fahrzeugs, ein 40-jähriger Rumäne, sitzt in Haft.

Es habe sich um eine Schleppung "auf engstem Raum unter besonders qualvollen und gesundheitsgefährdenden Verhältnissen" gehandelt, berichtete die Polizei am Dienstag. Eine Beamtin außer Dienst hatte Alarm geschlagen, nachdem ihr aufgefallen war, dass auf einem Güterweg unmittelbar an der Ostautobahn zahlreiche Menschen aus einem Kleintransporter abgesetzt wurden und in den Wald flüchteten. Der Lenker machte sich unterdessen auf der A4 in Richtung Osten davon.

Im Zuge einer Fahndung wurden 23 der abgesetzten Migranten nahe Fischamend angehalten und nach der Erstversorgung ins Schubhaftzentrum Vordernberg überstellt. Das Schlepperfahrzeug wurde auf der A4 bei Bruck an der Leitha gestoppt, der Lenker festgenommen.

Bei "unmenschlicher Hitze" im Laderaum
Die Erhebungen ergaben, dass der Transport von der serbisch-ungarischen Grenze ohne Stopp nach Österreich geführt hatte. Die Geschleppten, unter ihnen Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren, seien in den Klein-Lkw gepfercht worden, hätten die etwa sechsstündige Fahrt hockend und teilweise stehend absolviert und nicht zuletzt "in unmenschlicher Hitze im Laderaum ausharren" müssen, berichtete die Polizei.

Zu kleine Luftlöcher mit Fingern erweitert
Der sichergestellte Kleinlaster war speziell präpariert. In das Polyesterdach des Laderaums waren mehrere Luftlöcher mit einem Durchmesser von etwa zehn Millimetern gebohrt. Weil dennoch kaum Frischluftzufuhr gewährleistet war, erweiterten die Flüchtlinge vermutlich mit bloßen Fingern diese Öffnungen auf Durchmesser mit fünf bis zehn Zentimetern.

Der mutmaßliche Schlepper ist teilweise geständig. Der Rumäne wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Den Ermittlern zufolge besteht der dringende Verdacht, dass der 40-Jährige auch für weitere Großschleppungen verantwortlich ist. Diesbezügliche Erhebungen dauern an. Der Beschuldigte soll für "erfolgreiche" Fahrerdienste jeweils 200 Euro erhalten haben. Die Flüchtlinge mussten für die Schleppung bis in ihr europäisches Zielland pro Person 6.500 bis 10.000 Euro zahlen.

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