So, 18. Februar 2018

"Krone"-Ombudsfrau

16.06.2015 09:18

Keine Assistenz für Rollstuhlfahrerin bei Zugfahrt

"Warum bieten die ÖBB einen Service an, der nicht funktioniert", fragt sich Claudia L. aus Oberösterreich. Gemeint ist die Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer. Trotz Vorbestellung war ihre gehbehinderte Freundin bei der Bahnfahrt nach Wien auf sich allein gestellt.

Claudia L. hatte ihre Freundin aus Wien, die seit 25 Jahren im Rollstuhl sitzt, übers Wochenende zu sich nach Oberösterreich eingeladen. "Dass die Heimreise ein solches Fiasko werden würde, daran hätte ich im Traum nicht gedacht", schildert sie enttäuscht. Bereits am Vormittag des Reisetages hatten die Damen bei den ÖBB die Einstiegshilfe für die Fahrt am frühen Abend bestellt. "Der Herr am Telefon fragte nach dem Namen, der Adresse und wie der Rollstuhl beschaffen sei. Wir sollten 15 Minuten vor Abfahrt am Bahnsteig sein, dort würde man uns treffen", so Frau L. weiter.

Doch von der ÖBB-Assistenz war beim Einsteigen weit und breit nichts zu sehen. Gemeinsam mit einem anderen Reisenden schafften es Frau L. und ihr Mann, die Freundin mit Gepäck und Rollstuhl rechtzeitig in den Zug zu heben. Die Fahrt musste diese beim Einstieg vor dem Klo verbringen, weil zahlreiche Gepäckstücke den Gang verstellten. Vom Schaffner erntete sie dazu lediglich ein "Sie sind hier falsch".

"Sie war ganz allein, bis das Reinigungspersonal kam"
"Ich habe sofort bei den ÖBB angerufen und erfuhr, dass es die Einstiegshilfe auf unserem Bahnhof nur bis 14.30 Uhr gibt. Daraufhin bat ich, dass zumindest in Wien die notwendige Assistenz organisiert wird." Doch auch dort funktionierte der Service nicht reibungslos. "Keiner war da und meine Freundin am Verzweifeln. Der Zug wurde auf ein anderes Gleis geschoben, sie war ganz allein, bis das Reinigungspersonal kam. Erst kurz danach wurde sie aus ihrer misslichen Lage befreit und die Einstiegshilfe geholt", ist unsere Leserin empört.

Enttäuscht sind die Damen auch von der lapidaren Stellungahme, die sie von den ÖBB bekommen haben. Der Zugbegleiter hätte am Bahnsteig in Oberösterreich die Einstiegshilfe übernehmen sollen, konnte aber nicht mehr rechtzeitig informiert werden. In Wien seien die Helfer zwar an Ort und Stelle gewesen, konnten die Freundin aber nicht finden, da sie in einem anderen Waggon als angeben gesessen sei. Man entschuldigte sich dafür und wünschte noch einen schönen Tag. Beim Bahnfahren Nerven sparen, gilt also offenbar nicht immer.

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