Mo, 23. April 2018

Digital-Spiegelreflex

16.04.2006 22:54

Canon EOS 30D

„Schwer und professionell“ lautet das Urteil nach dem ausgiebigen Praxis-Test. Canons EOS 30D durfte knapp eine Woche lang Krone.at-Dienst nach Vorschrift versehen. Hunderte Fotos musste die digitale SLR schießen und dabei waren die Lichtverhältnisse nicht immer die besten, wie auch die Fotografen, die sie bedienten, nicht immer die mit der größten Erfahrung... Sie musste sich also einiges Gefallen lassen! Welche Eindrücke, außer dem mittelschweren Muskelkater vom Heben, schließlich hängen geblieben sind, gibt’s hier zu lesen!

Die 8,2 Megapixel des Bildsensors der EOS 30D sagen angesichts der Megapixel-Wut am Kompaktkamera-Sektor als pure Zahlengröße schon gar nichts mehr aus. Hier muss man im Detail stöbern und die Werte in Relation setzen: 22,5 mal 15 Millimeter misst der Chip der EOS 30D. Das sind knapp 60% der Größe eines Vollformatsensors, der ein Mess-Äquivalent zum guten alten 36mm-Film ist und in der Digitalfotografie das Nonplusultra.

Zum Vergleich: In die Kompaktkamera PowerShot S80 hat Canon ebenfalls 8 Megapixel gepackt, dort allerdings auf einen Chip, der mickrige 7,2 mal 5,6 Millimeter misst und gerade mal 20% der Fläche eines
Vollformatsensors aufweist.

Kombiniere:
Die Sensorzellen der EOS 30D sind viel größer und können weitaus mehr Signal, sprich Licht einfangen. Das hat sich schon bei den ersten Schnappschüssen gezeigt: Für den Kollegen-Überraschungs-Close-Up in der Krone.at-Redaktion musste die 30D nicht einmal blitzen und lieferte unter der mittelhellen Neonsonne eine saubere Aufnahme.

Mann, ist die schwer! Der erste positive Eindruck beim Schnappschuss wurde aber doch ein wenig von der gewichtigen Überraschung beim Auspacken der Kamera überschattet: Das Gehäuse der EOS 30D wiegt nämlich satte 700 Gramm, hinzu kommt knapp ein halbes Kilo für’s Objektiv und geschätzte 150 Gramm wiegt der Akku.

Ach ja, eines gleich vorweg: Im Set mit einem 18-55mm-Objektiv gibt’s die EOS 30D in Österreich schon um gesehene 1.250 Euro. Canon gab für das Objektiv-Bundle vor der Markteinführung eine unverbindliche Preisempfehlung von 1.599 Euro an.

Überraschenderweise ist das hohe Gewicht der Kamera beim Fotografieren in waagrechter Haltung durchaus von Vorteil. Sie liegt einfach satter in der Hand und man neigt weniger zum Verwackeln. Hält man sie aber hochkant, so bemerkt man auch bei trainierten Fotografen nach mehreren Aufnahmen durchaus Ermüdungserscheinungen in der Greifhand.

In Sachen Einstellungsoptionen und Menüzugriff gibt’s eigentlich nichts, was nicht vorhanden wäre – aber in dieser Preisklasse darf es solche Mängel ohnehin nicht geben. Die Auswahl von Blenden-, Zeit- oder Vollautomatik sowie sämtlicher Programmeinstellungen und auch die Option auf vollständig manuelle Bedienung erfolgen über ein simples Drehrad an der linken Oberseite der Kamera, eingeteilt in eine Image- und eine Kreativzone. Blende bzw. Zeit werden mit einem stufenlosen Drehrad über dem Auslöser eingestellt. Die Werte können auf Wunsch, wie auch sämtliche andere Zahlenwerte, im Sucher angezeigt werden.

Das Menü teilt sich bei der EOS 30D in drei Sparten und wird mit einer stufenlosen, großen Wählscheibe und einem Enter-Button bedient. Im Aufnahme-Menü lassen sich ISO-Werte von 100 bis 1600, Optionen wie die Rote-Augen-Reduktion für den Blitz, Weißabgleich, Autofokus-Messtechnik und so weiter festlegen. Im Konfigurations-Menü werden grundlegendere Sachen wie Speichername, Display-Helligkeit und dergleichen programmiert. Für das Betrachten der Fotos steht ein Wiedergabe-Menü zur Verfügung in dem sich simple Beschnitt-Vorgänge oder einfache Bildbearbeitungen erledigen lassen.

Gespeichert wird übrigens nur auf Compact-Flash-Karten. Hier zahlt es sich auch aus, eine CF-Card mit großem Fassungsvermögen zu besitzen. Im RAW-Modus, den man im Regelfall für eine für später geplante Bearbeitung am PC benutzt, passen gerade einmal 55 Fotos à neun Megabyte auf eine 512-MB-Karte. In voller Auflösung, als komprimiertes JPEG, bekommt man 133 Fotos auf den halben Gigabyte. Da ist sind dann aber auch schon Ausdrucke auf A3 und größer möglich. Es gibt auch die Möglichkeit jede Aufnahme als RAW und als JPEG zugleich zu sichern.

Der Akku der EOS 30D hat einen überraschend langen Atem. Während der Testwoche musste er nur ein einziges Mal aufgeladen werden. Canon gibt die Laufzeit, die durchaus so hinkommen kann, mit 1.100 Aufnahmen ohne Blitz und 750 Aufnahmen mit 50-prozentigem „Flash-Use“ an.

Im Vollautomatik-Modus werden alle Funktionen von der EOS 30D selbst eingestellt. Die Kamera kann selbst ein (kräftiges) Kind bedienen, was im Test auch blendend funktioniert hat. Der Blitz klappt, sofern man es ihm nicht verbietet, ohnehin von selbst auf und der Autofokus des Objektivs arbeitet dank 8-facher Messmethode schnell und zuverlässig, um nicht zu sagen rattenscharf.

Draufhalten und abdrücken ohne nachdenken, das geht also auch mit einem Profi-Gerät. Auf Knopfdruck kann man auch einen einzelnen AF-Messpunkt im Sucher anwählen und so vordergründige Motive scharfstellen und bereits mit Hilfe der Technik ein bisschen künstlerische Atmosphäre in die Aufnahmen bringen.

Das Potential würde mit dauernder Verwendung der Vollautomatik aber großenteils verschmäht. Richtig interessant wird die EOS 30D nämlich erst bei manueller Bedienung. Vor allem in Kombination von Zeitautomatik und deaktiviertem Autofokus macht das Fotografieren Spaß. Das Zoom-Objektiv erträgt Spielereien mit Tiefenschärfe und Freistellen geduldig wie ein Maultier die Wüste. Erst wenn das scharf zu stellende Motiv auf eine Nähe von 50 bis 60 Zentimeter heranrückt, stößt man an seine Grenzen.

Das Bildrauschen hat Canon bei der EOS 30D ganz gut im Griff. Eigentlich beginnen Aufnahmen erst dann unangenehme Störungen aufzuweisen, wenn das menschliche Auge selbst kaum mehr als Umrisse des Motivs erkennen kann. Beim Fotografieren eines Sonnenuntergangs kriegt die EOS 30D jedenfalls noch keine weichen Knie, beim spärlich erleuchteten Sternenhimmel mit Halbmond ist hingegen schon ein stärkeres Rauschen erkennbar.

Fazit: Mit der EOS 30D spannt Canon eine Brücke zwischen der Vollformat-Oberklasse und dem mittlerweile schon vielerorts nach unten erweiterten SLR-Segment. Konkurrenz gibt’s hier momentan gar keine, da keiner der großen Hersteller bis jetzt eine semi-professionelle SLR im Bereich um 1.300 Euro mit Objektiv anbietet. Vielleicht auch, weil sie für den Berufsfotografen bei Shootings doch noch zu wenig Power hat, Amateure eventuell der hohe Preis abschreckt...

Gegenüber dem hauseigenen Basismodell 350D und den Markt-Konkurrenten aus dem Hause Nikon in Form der D75 und D50, punktet die 30D aber mit wesentlich professionellerer Haptik, dem moderneren Sensor, einer besseren Menüführung und finalement einer besseren Bildqualität. Bevor man sich für ein SLR-Einsteiger-Set mit zwei Objektiven entscheidet, sollte man unbedingt die Lösung mit teurerer Kamera dafür nur ein Objektiv zum annährend gleichen Preis in Betracht ziehen!

In der Infobox gibt's eine Diashow mit den besten Bildern, die während des Praxistests entstanden sind. Außerdem findest du den Link zu einer Krone.at-Story, bei der uns die EOS 30D begleitet hat und wo es über 40 mit ihr aufgenomme Fotos zu beurteilen gibt.


Christoph Andert

Fotos (c) Canon

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