Di, 24. April 2018

Autobiografisch

14.04.2006 12:02

"The Streets" mit neuem Album

2002 wurde die Öffentlichkeit zum ersten Mal auf den ansonsten recht unscheinbaren Mike Skinner aufmerksam. Spätestens mit seinem Hit „Dry your eyes“ gelang ihm der ganz große Durchbruch. Jetzt präsentiert Mike Skinner alias „The Streets“ mit „The hardest way to make an easy living“ sein drittes Album.

Mike Skinner darf zurecht als Ausnahmetalent im Hip Hop Business bezeichnet werden – und zwar in jederlei Hinsicht. Er spricht mehr, und das im breitesten britischen Slang, als das er rappt, er sieht sehr unscheinbar aus und sowohl Musik als auch Texte lassen sich nur schwer mit anderen Künstlern vergleichen. Trotzdem oder gerade deswegen polarisiert Skinner die Massen: Man hasst ihn oder man liebt ihn.

Auf jeden Fall sollte man sich die Zeit nehmen, um Mikes Texte aufmerksam zu studieren. Denn mehr als andere Rap-Gruppen lebt „The Streets“ von den zwar nicht immer leicht verständlichen, dafür aber umso ehrlicheren, charmanten und mit britischem Humor versehenen Texten. Auf „The hardest way to make an easy linving“ gibt sich der 28-Jährige offener und freizügiger denn je. Skinner hat aus dem Medienrummel der vergangen Jahre gelernt und geht in die Offensive: Mit Geständnissen über Sex, Drogen, Partys und Exzesse kehrt Mike sein vermutlich recht wahres Ich nach außen und nimmt damit gleichzeitig der Yellow Press den Wind aus den Segeln.

Zeilen wie „Two great european narcotics: Alcohol and Christianity. I know which one I prefer“ oder “We love Biggy, Johnny Cash and Stevie Wonder. It's no Biggy we got no cash and its no wonder 'cause i'm proud we gave you people like John Lennon. Even though you shot him aswell” verzücken und zaubern doch immer wieder ein Grinsen ins Gesicht. Die erste Zeile stammt übrigens aus „Never went to church“, einer sehr balladesken Nummer über den Tod seines Vaters, die Assoziationen an „Dry your eyes“ und die Beatles weckt. In „Two Nations“ hingegen (Zitat Nummer zwei) geht es um das Verhältnis zwischen England und den USA. Beide Nationen sind durch die gemeinsame Sprache getrennt, aber natürlich behalten die Briten die Nase vorn, schließlich haben sie die Sprache ja auch erfunden. Und wie um Himmels willen soll man sich vor fremden Leuten eine Line Koks ziehen, wenn mittlerweile doch jedermann ein Foto-Handy besitzt („When you wasn’t famous“)?!

Musikalisch bleibt vieles beim Alten, allerdings gibt sich Skinner weniger abstrakt und verspielt als auf den vorigen Alben. Man hört aber auch, dass der Gute viel an Know-How dazu gewonnen hat. Klingen seine Songs, die er übrigens alle fast ausschließlich in feinster Home-Recording-Manier produziert, doch wesentlich erwachsener. Während Songs wie „Hotel Expressionism“ oder der Opener „Prangin Out“ sehr hiphop-lastig sind und das Tanzbein zum Schwingen einladen, so beweist Skinner auf Tracks wie „The hardest way to make an easy living“, „All goes out the window“ oder dem bereits erwähnten „Never went to church“ sein Gespür für feine Pop-Melodien, die so schnell nicht wieder den Gehörgang verlassen. Eine runde Mischung aus Club-Hits und eher ruhigen, sehr melodischen Songs.

Mike Skinner gibt sich auf „The hardest way to make an easy living“ reifer und erwachsener, verzichtet aber nicht auf die nötige Prise Sarkasmus, Authentizität und Charme in seinen Texten. Einziges Manko: Nach elf Songs und 37 Minuten ist wieder alles vorbei.

Fazit: 8 von 10 netten Proleten

von Sebastian Räuchle

Das könnte Sie auch interessieren

Aktuelle Schlagzeilen

Für den Newsletter anmelden