Di, 16. Jänner 2018

Putschversuch

13.04.2006 14:23

Putschversuch im Tschad vereitelt

In dem durch die Auswirkungen des Bürgerkrieges im benachbarten Sudan destabilisierten zentralafrikanischen Staat Tschad ist ein Putschversuch von Rebellen offenbar niedergeschlagen worden. Regierungstruppen wehrten laut Präsident Déby einen Angriff von Aufständischen auf die Hauptstadt N'Djamena in dreistündigen Gefechten ab. Die Lage sei "unter Kontrolle", sagte Deby im französischen Fernsehen.

Die Rebellen der im vergangenen Dezember im Grenzgebiet zum Sudan gegründeten und von Hauptmann Abdelkerim angeführten "Einheitsfront für den demokratischen Wandel" (FUC) seien vollkommen aufgerieben worden. N'Djamena beschuldigt die FUC, vom Nachbarland Sudan gesteuert zu werden. Kämpfe wurden aus der Stadt Adre nahe der sudanesischen Grenze gemeldet.

Die Rebellen seien vom Sudan angeheuerte Söldner, sagte Deby. Man werde Beweise dafür sammeln, dass die sudanesische Regierung hinter dem Angriff stehe. N'Djamena hatte den Nachbarstaat bereits im Vorjahr beschuldigt, eine Aggression vorzubereiten, und die Staatengemeinschaft um Hilfe ersucht.

Flüchtlingswelle unvorstellbaren Ausmaßes
Durch das Wüten von regimetreuen sudanesisch-arabischen Janjaweed- Reitermilizen in der Provinz Darfur war eine Flüchtlingswelle unvorstellbaren Ausmaßes ausgelöst worden. 250.000 Sudanesen flüchteten in den Tschad. Im Februar war durch libysche Vermittlung eine in Tripolis unterzeichnete Friedensvereinbarung zwischen dem Tschad und dem Sudan erzielt worden. Beide Seiten verpflichteten sich darin, den Rebellen des anderen Landes keinen Schutz zu gewähren.

EU verurteilt Putschversuch
Die EU verurteilte in einer Erklärung der österreichischen Ratspräsidentschaft "jede versuchte Machtergreifung durch gewaltsame Mittel". "Mit größter Schärfe" verurteilt wurde auch das jüngste Eindringen bewaffneter Rebellen in das Flüchtlingslager Goz Amer nahe der sudanesischen Grenze.

Im Tschad sollen am 3. Mai Präsidentenwahlen stattfinden. Der Wüstenstaat ist eines der ärmsten Länder der Welt.

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