Sa, 26. Mai 2018

Blutiger Wahlkampf

06.06.2015 14:36

Drei Tote bei Doppelanschlag in der Türkei

Kurz vor der Parlamentswahl in der Türkei sind bei einem mutmaßlichen Doppelanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP mindestens drei Menschen getötet worden. Bei einem der Toten handle es sich um einen 16-Jährigen. Nach Angaben von Ärzten wurden bei der Explosion am Freitag im südosttürkischen Diyarbakir mindestens 220 weitere Menschen verletzt.

Mindestens eine der beiden Explosionen wurde Sicherheitskreisen zufolge durch eine Bombe ausgelöst. Eine mit Kugellagern, Nägeln und anderen Metallteilen gefüllte Gasflasche sei detoniert, sagte der Vertreter der Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Bisher gebe es keine Verdächtigen.

Davutoglu:"Angriff auf die Demokratie"
Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte in der Nacht auf Samstag im Sender Star TV, die Ermittlungen gingen weiter. Es handle sich jedoch eindeutig um "Sabotage" und "Provokation". Weiter sagte er: "Das war nicht gegen eine Partei gerichtet, das war ein Angriff auf die Demokratie."

Augenzeugen berichteten, sie hätten Metallkugeln gefunden, wie sie auch in Sprengsätzen verwendet werden, um möglichst viele Menschen zu verletzen. Mehmet Sahin (37), der schwer verletzt wurde, sagte: "Natürlich war das eine Bombe. Am ganzen Körper habe ich Verbrennungen und Wunden." Krankenschwestern sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass sie Splitterwunden behandeln mussten.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, zunächst habe es eine kleine Detonation in einem Mülleimer gegeben. Kurz darauf eine große Explosion. Ein 58-Jähriger namens Burhan Kabak sagte: "Ich habe zwei Explosionen innerhalb von rund fünf Minuten gehört. Ich habe viele verletzte Menschen auf dem Boden gesehen. Da war so viel Blut."

Anhänger zur Ruhe aufgerufen
Der Co-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, rief die Anhänger seiner Partei nach den Explosionen in Diyarbakir zur Ruhe auf. "Wir werden dieser Provokation nicht nachgeben", sagte er. Am Samstag protestierten rund tausend Menschen in der südosttürkischen Stadt. Sie hielten Transparente mit der Aufschrift: "Trotz allem Frieden". Die Detonationen hatten sich kurz vor einer Rede von Demirtas bei der HDP-Kundgebung ereignet.

An diesem Sonntag wählen die Türken ein neues Parlament. Die pro-kurdische "Demokratische Partei der Völker" tritt erstmals dabei an. Um in die Volksvertretung einzuziehen, muss die Partei die Zehn-Prozent-Hürde überwinden. Umfragen zufolge stehen die Chancen gut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Für den Newsletter anmelden