Mo, 19. Februar 2018

Lange Saddams Vize

05.06.2015 17:57

Iraks Ex-Außenminister Asis in Haft gestorben

Der frühere irakische Außenminister Tarik Asis ist nach jahrelanger Krankheit in Haft gestorben. Asis sei in einem Krankenhaus der Stadt Nasirijah gestorben, wohin er wegen der Verschlechterung seines Zustands gebracht worden war, sagte der Vizegouverneur der Provinz Dhi Kar, Adel Abdulhussein al-Dachili, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Asis war jahrelang Außen- und Informationsminister des irakischen Machthabers Saddam Hussein und damit das Gesicht und die Stimme der Regierung. In Haft litt er seit Langem an Bluthochdruck und Diabetes.

Asis, der jahrelang auch Vizeregierungschef war, hatte sich nach der US-Invasion 2003 den US-Truppen gestellt. Der wortgewandte Politiker, der fließend Englisch sprach, wurde 2009 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Im August desselben Jahres folgten sieben weitere Jahre wegen der Verfolgung irakischer Kurden in den 80er-Jahren. Im Oktober 2010 dann wurde er wegen der Unterdrückung schiitischer Parteien in den 80er-Jahren zum Tode verurteilt, doch wurde das Urteil vom Präsidenten nicht unterzeichnet.

Einziger Christ in der irakischen Führung
Asis, der 1936 in Mossul in einer Familie chaldäischer Christen geboren wurde, war der einzige Christ in der irakischen Führung. Der Politiker, der für seine Vorliebe für Zigarren und Whisky bekannt war, gehörte zu den ältesten Vertrauten Saddam Husseins, den er bereits seit den 50er-Jahren kannte. Seit 1963 gehörte Asis zur Führung Baath-Partei, wo er zunächst für Propaganda und Organisation zuständig war. Nach der Machtübernahme durch die Partei 1968 leitete er zunächst das Regierungsblatt "Al-Thawra", bevor er Informationsminister wurde.

Als Saddam Hussein 1979 an die Macht kam, wurde er Mitglied des obersten Entscheidungsgremiums, des Revolutionären Kommandorats. Vier Jahre später machte der irakische Machthaber ihn zum Außenminister und 1991 zum Vize-Regierungschef. Während des Krieges gegen den Iran von 1980 bis 88 spielte Asis eine wichtige Rolle dabei, im Westen um Unterstützung zu werben. Er vertrat auch den Irak bei den Friedensverhandlungen mit Teheran. Nach dem US-Angriff im März 2003 hielt Asis bis zuletzt zu Saddam Hussein, ergab sich aber nach dessen Sturz der US-Armee.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden