Do, 26. April 2018

Keine Genies

13.04.2006 06:54

Musik ist keine Intelligenz-Garantie

Die Mär, dass Musik bei Kindern bestimmte Regionen im Gehirn anregt und dadurch den Intelligenzquotienten steigert, ist wohl nicht mehr zu halten. Das hat die Analyse aller verfügbaren Studien über die Auswirkungen von Musikerziehung auf das Denkvermögen ergeben. Wirksamer sei laut Studienleitung, sich nach den Neigungen der Kinder zu richten.

"Es gibt keine Belege dafür, dass musikalische Früherziehung spezifische Effekte zum Beispiel auf die sprachliche Entwicklung wie die Lese- und Schreibfähigkeit hat", sagte der Berliner Philosoph Ralph Schumacher, der die Studien gesichtet hat.

Statt mühevoll Geige oder Klavier zu üben, könnten Kinder genauso gut Sprachen lernen oder mathematische Rätsel lösen, betonte Schumacher. "Musikunterricht ist nicht der Königsweg. Eltern sollten sich bei zusätzlichem Unterricht lieber nach den Neigungen ihrer Kinder richten." Wichtig sei, dass es überhaupt zusätzlichen Unterricht gebe.

Keine Veränderungen durch Musik
Die IQ-Steigerung bei seriösen Studien war minimal und betrug etwa drei Prozent.  "Es gibt auch keine Belege dafür, dass durch das Musizieren im Gehirn Datenautobahnen entstehen, die dann automatisch für andere Denkprozesse zur Verfügung stehen", betonte Schumacher,

Die Mehrheit der derzeit verfügbaren Untersuchungen sei aus methodischen Gründen nicht geeignet, um bestimmte Wirkungen eindeutig dem Musikunterricht als Ursache zuzuschreiben, ergänzte Schumacher. So kämen zum Beispiel Kinder, die Musikunterricht erhalten, ohnehin aus eher bildungsnahen Familien. Vielmehr lasse sich aus den meisten Untersuchungen lediglich ableiten, dass jeder zusätzliche Unterricht die Intelligenzentwicklung von Kindern fördere.

Positive Wirkungen in sozialer und emotionaler Hinsicht will Schumacher dem Musizieren allerdings nicht absprechen. In der Schule könne das gemeinsame Üben und Spielen beispielsweise die Gemeinschaft zwischen den Schülern fördern und ihren Umgang miteinander verbessern.

Foto: MARTIN A. JÖCHL

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