Mo, 21. Mai 2018

Rede im Video

02.06.2015 22:44

Sepp Blatter tritt zurück, FBI ermittelt gegen ihn

Er ist weg! Der erst am Freitag wiedergewählte FIFA-Präsident Joseph Blatter hat am Dienstagabend völlig überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 79-Jährige wird die Agenden aber noch bis zu den Neuwahlen, die im Rahmen eines außerordentlichen Kongresses voraussichtlich erst 2016 über die Bühne gehen werden, weiterführen. Im Video oben sehen Sie Blatters Rücktrittsrede!

Was hat Blatter zum überraschenden Rücktritt bewogen? US-Medien berichten, dass Ermittlungen des FBI und der US-Staatsanwaltschaft gegen den Schweizer selbst dahinterstecken. Der TV-Sender ABC News beruft sich auf "mit dem Fall vertraute Quellen". Eine dieser Quellen meint, dass Blatter bald alleine dastehen könnte: "Jetzt, da sich die Leute retten wollen, gibt es wohl einen Wettlauf darum, wer sich zuerst von Blatter abwendet." Auch die "New York Times" berichtet mit Verweis auf offizielle Quellen, dass Blatter im Fokus der Ermittler steht.

Blatter: "Ernsthaft über Präsidentschaft nachgedacht"
"Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die 40 Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und diesem großartigen Sport verbunden war", sagte Blatter auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in französischer Sprache. Durch die Wahl am Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die FIFA-Mitglieder bekommen, "aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlichen Kongress niederzulegen".

Der nächste reguläre FIFA-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. Solange möchte Blatter aber nicht mehr warten. "Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten", sagte der Noch-FIFA-Chef. Gemäß den Statuten sind mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Laut Domenico Scala, dem Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission der FIFA, wäre daher zwischen Dezember 2015 und März 2016 ein realistischer Zeitraum.

Hier lesen Sie die Reaktionen auf Blatters Rücktritt.

Blatter wirkte relativ gefasst, auch wenn die Tragweite dieser Entscheidung riesig ist. Bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten am Freitag hatte Blatter noch den starken Mann markiert, hier sehen Sie seine Siegesrede:

Zuversichtlich wollte er ungeachtet der Festnahmen und Anklagen gegen hochrangige Funktionäre weitermachen. Dieser Skandal, bei dem vor allem die US-Justiz ermittelt, war nun aber doch zu viel. "Ich habe Domenico Scala gebeten, die Einführung und Umsetzung dieser und anderer Maßnahmen zu beaufsichtigen", erklärte Blatter.

Blatter: "Bemühungen immer wieder blockiert, diesmal werde ich siegen"
Ändern soll sich in der Zukunft jedenfalls vieles. "Das Exekutiv-Komitee muss verkleinert werden und die Mitglieder sollten auf dem FIFA-Kongress gewählt werden", verlautete Blatter. Integritätsprüfungen müssten zentral von der FIFA organisiert werden, und nicht durch die Konföderationen. "Wir brauchen auch Zeitlimits für den Präsidenten sowie alle Exekutiv-Komitee-Mitglieder", fügte der Schweizer hinzu. Für diese Änderungen habe er schon bisher gekämpft. "Meine Bemühungen sind immer wieder blockiert worden, diesmal werde ich siegen."

Blatter sagte am Ende seiner Rede, dass es die "tiefe Sorge um die FIFA und ihre Interessen" war, die ihn zu seiner Entscheidung veranlasst habe. "Ich möchte denen danken, die mich immer unterstützt haben in konstruktiver und loyaler Weise als Präsident der FIFA", betonte Blatter. 1998 hatte er den Posten übernommen.

Die Frage nach Blatters Nachfolger ist indes noch offen. Der bei der jüngsten Wahl unterlegene jordanische Prinz Ali bin al-Hussein kündigte aber bereits am Dienstag an, wieder antreten zu wollen. Mit dem Niederländer Michael van Praag und dem Portugiesen Luis Figo hatte es im Vorfeld zwei weitere Kandidaten gegeben, die allerdings noch vor der Wahl einen Rückzieher gemacht hatten.

PK vor nur wenigen Pressevertretern
Blatters Entscheidung war ungeachtet der erneuten Zuspitzung der Ereignisse am Dienstag völlig unabsehbar. Nur wenige Medienvertreter hatten es überhaupt zu der Pressekonferenz in Zürich geschafft. Viele hatten schon damit gerechnet, dass die Zukunft von Generalsekretär Jerome Valcke bei der FIFA gefährdet wäre. Die "New York Times" hatte am Dienstag berichtet, dass die US-Ermittler der Ansicht seien, Valcke sei "der hochrangige FIFA-Offizielle", der 2008 zehn Millionen Dollar von einem FIFA-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto überwiesen habe.

Das Geld landete auf Konten, die vom früheren FIFA-Vizepräsidenten und CONCACAF-Chef Jack Warner kontrolliert worden sein sollen. Warner wird organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vorgeworfen. Der Funktionär war in seinem Heimatland Trinidad und Tobago in der vergangenen Woche nach einem Gerichtstermin gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt worden. Das US-Justizministerium hat seine Auslieferung beantragt.

Laut der "New York Times" sei in der Anklage der US-Justiz allerdings nicht die Rede davon, dass der Offizielle gewusst habe, dass das Geld für Bestechung verwendet worden sei, hieß es weiter. Valcke sei auch nicht als Mitbeschuldigter genannt. Weder Valcke noch andere aktuelle Mitglieder der FIFA-Führung seien "an der Initiierung, der Bewilligung und Ausführung" beteiligt gewesen, teilte die FIFA mit.

Südafrika: Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen
Südafrika hatte im Zusammenhang mit der Zahlung Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 vehement zurückgewiesen. Die FIFA erklärte zudem, die Überweisung der zehn Millionen Dollar sei vom damaligen Vorsitzenden des Finanzkomitees, des mittlerweile verstorbenen Argentiniers Julio Grondona, genehmigt und gemäß der eigenen Regularien vorgenommen worden. Dass Valcke von dem Vorgang gewusst habe, sei ein normaler Vorgang, erklärte ein FIFA-Sprecher.

Die Zahlung von zehn Millionen Dollar sei von der Regierung Südafrikas und vom südafrikanischen Fußball-Verband genehmigt worden, um ein Projekt für die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik zu finanzieren, hieß es in einer Mitteilung.

Scala: "Entscheidung verdient Respekt"
"Die Entscheidung des Präsidenten war sehr mutig und verdient Respekt. Wir werden nun weitere Reformen vorantreiben. Die Reformen bisher waren nicht genug. Wir müssen das Fundament der FIFA ändern", sagte Domenico Scala am Dienstag. "Viele der Handlungen in diesem Skandal wurden von Individuen begangen. Die Verbände müssen mehr Verantwortung für ihre Mitglieder übernehmen. Wir brauchen mehr Transparenz. Die FIFA hat sich diesem Reformprozess zu hundert Prozent verschrieben."

US-Justizministerin: "FIFA ist bis in die höchsten Ebenen korrupt"
Die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt keine großen Hoffnungen in den Reformeifer des Fußball-Weltverbandes. Die FIFA sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch).

"Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten", erklärte Lynch. Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen. Ob es auch eine Anklage gegen Blatter geben werde, wollte Lynch nicht beantworten. "Dazu kann ich jetzt nichts sagen", meinte sie.

Blatter bei U20-WM in Neuseeland nicht willkommen
Der noch amtierende FIFA-Präsident Joseph Blatter ist bei der derzeit laufenden U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland nicht wirklich willkommen. Das gab der Verbandspräsident von Neuseeland, Andy Martin, am Mittwoch in einem Interview mit dem lokalen RadioSport zu verstehen. Neuseeland hatte bei der Wahl am vergangenen Freitag dessen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein unterstützt. Über eine eventuellen Besuch von Blatter bei der U20-WM sagte Martin nun: "Wir haben noch keine Bestätigung. Ich würde gerne glauben, dass er nicht kommt, aber wer weiß. Falls er kommt besteht die Gefahr, dass der Besuch ein Parallel-Ereignis zum eigentlichen Ereignis, nämlich dem Turnier, wird."

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