Fr, 15. Dezember 2017

Wegen Kritik am Chef

01.06.2015 15:49

Schlagabtausch von Stronach und TS-Abgeordnetem

Nach der Kritik des Team-Stronach-Abgeordneten Georg Vetter an Frank Stronach bezüglich der Wahlniederlage in der Steiermark hat die zu erwartende Reaktion nicht lange gedauert: Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung eines Gastkommentars in einem Internetblog, in dem Vetter am Montag Stronach persönlich für die Schlappe verantwortlich gemacht hatte, wurde er vom Parteigründer aufgefordert, sein Nationalratsmandat zurückzulegen. Vetter lehnt dies ab.

"Die brüske Entfernung des Spitzenkandidaten knapp vor der Wahl und diese Geschichte mit den Unterstützungserklärungen musst Du Dir selbst und Deiner kleinen Prätorianergarde zuschreiben. Das können Dir die Wähler unmöglich verzeihen", schreibt Vetter in einem Gastkommentar im Internetblog des Journalisten Andreas Unterberger. Er meint damit die hinterrücks erfolgte Absetzung des ursprünglichen Spitzenkandidaten Wolfgang Auer und das Antreten mittels Unterstützungserklärung einer wilden Abgeordneten.

Vetter will von Stronach auch wissen: "Hast Du schon überlegt, ob Du Dein Ohr wirklich bei den Wählern hattest? War es klug von Dir, Dich mit lauter Ja-Sagern zu umgeben? War es fair von Dir, wie Du Deine Mitstreiter behandelt hast?" Auch die Darlehenskonstruktion Stronachs für seine Partei hält Vetter "für alles andere als in Ordnung" und er übt auch hier massive Kritik: "Im Wahlkampf hast Du behauptet, dass die gesamte Finanzierung aus privaten Mitteln erfolgt. Danach hat man erfahren, dass es diverse Darlehensverträge gibt und die Rückzahlung über die Parteienförderung - also Steuergeld - an Dich erfolgen soll. Das widerspricht Deinen berühmten Werten."

Trennung der Partei von ihrem Gründer gefordert
Vetter plädiert nun für eine Trennung der Partei von ihrem Gründer: "Schon vor fast einem Jahr habe ich Dir an dieser Stelle Deinen Rückzug nahe gelegt." Nach Ansicht des Nationalratsabgeordneten geht es "einfach nicht", dass Stronach mit seinem Verhalten nicht nur seine, "sondern auch unsere Reputation immer wieder beschädigt". Und weiter: "Es wird nun an den Mitgliedern des Nationalratsklubs liegen, das Beste daraus zu machen. Von der Partei als solcher können wir nichts erwarten und müssen uns lösen. Damit sage ich nichts Neues."

Stronach: "Werde Vetter keine Träne nachweinen"
"Wenn Herr Vetter glaubt, seine Tätigkeit als Abgeordneter des Nationalratsklubs der Partei 'Team Stronach für Österreich' könnte seine Reputation gefährden, dann ist er eingeladen, sein Nationalratsmandat sofort zurückzulegen und Platz für neue, tatkräftige, fleißige und konstruktive Kräfte machen", stellte Stronach kurz darauf in einer Aussendung fest. Stronach wirft Vetter vor, mit seinem Brief das Ansehen der Partei und des Parlamentsklubs zu schädigen. "Weder der Parlamentsklub, noch die vielen Mitstreiter und Sympathisanten des Team Stronach, die wochenlang ehrenamtlich für das Mandat von Vetter, der im Wahlkampf vorwiegend durch Abwesenheit glänzte, gekämpft haben, haben sich das nicht verdient", erklärte der Parteigründer.

Stronach bedauert ausdrücklich sein Engagement Vetters: "Leider habe ich mich in der Person des Herrn Vetter getäuscht. Er hat bei der Listenerstellung offenbar wider besseres Wissen einen Ehrenkodex unterschrieben, den er gleich nach der Erlangung des Mandates gebrochen hat. Ich werde Vetter keine Träne nachweinen, wenn er seine parlamentarische Tätigkeit für das Team Stronach beendet." Laut Stronach gehe es Vetter auch darum, sein im Vergleich zu gut verdienenden Rechtsanwälten eher bescheidenes Einkommen als Natuionalratsabgeordneter aufzufetten.

Vetter lehnt Rücktritt ab
Vetter wies die Rücktrittsaufforderung zurück und lehnt die Zurücklegung seines Mandats ab. "Ich bin nicht in die Politik gegangen, um sie auf den ersten Zuruf hin wieder zu verlassen", sagte Vetter am Montagnachmittag. Angesprochen auf möglichen Druck der Partei verwies Vetter auf das "freie Mandat". Mit einem Ausschluss aus dem Parlamentsklub rechnet er nicht. Vielmehr hofft er, dass er mit seinem Anliegen Gehör findet, dass sich der Klub von der Partei löst.

Dem erteilte Klubobfrau Waltraud Dietrich allerdings umgehend eine Absage. Sie betonte, dass es sich dabei um eine "Einzelmeinung" Vetters handle. Und sie unterstützte uneingeschränkt Frank Stronach: "Die Position von Frank Stronach innerhalb der Partei ist und bleibt unangetastet. Als Parteigründer steht es ihm zu, die Partei nach seiner Vision zu gestalten."

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