Do, 22. Februar 2018

Intelligenzquotient

01.06.2015 11:25

Zunahme des IQ bremst sich laut Forschern ein

Seit 1909 stieg der Intelligenzquotient (IQ) weltweit im Schnitt um etwa drei Punkte pro Jahrzehnt, berichten Psychologen der Universität Wien. Dieses Wachstum sei aber nicht unbedingt auf eine Zunahme der kognitiven Fähigkeiten zurückzuführen und habe sich in den vergangenen Jahrzehnten auch merklich eingebremst, schreiben die Forscher im Fachjournal "Perspectives on Psychological Science".

Dass die Ergebnisse bei IQ-Tests in der US-Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg im Schnitt immer besser ausfielen, wurde zum erstem Mal 1984 wissenschaftlich beschrieben. Seither gibt es in Fachkreisen eine Diskussion über die Gründe für diesen sogenannten "Flynn-Effekt". Jakob Pietschnig vom Institut für angewandte Psychologie und Martin Voracek vom Institut für psychologische Grundlagenforschung (beide Universität Wien) analysierten nun Testdaten von fast vier Millionen Personen aus 31 Ländern zwischen 1909 und 2013 und konnten so den "Flynn-Effekt" erstmals über mehrere Länder hinweg nachweisen.

Als mögliche Gründe für diesen Anstieg nennen die Psychologen bessere Ernährung, Hygiene und medizinische Versorgung. Also Faktoren, die vor allem die frühkindliche Entwicklung verbessern. Außerdem dürften Verbesserungen in der schulischen Ausbildung dafür mitverantwortlich sein. Eine tatsächliche Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten kommt für Pietschnig als Erklärung aber eher nicht in Frage, wie er im Gespräch erklärte.

Probanden immer geübter im Umgang mit Tests?
Ein Teil des Anstiegs könnte sich auch dadurch erklären lassen, dass Menschen immer geübter im Umgang mit Tests werden. "Die Leute wissen, dass Raten eine gute Strategie ist", sagte Pietschnig. Dazu komme, dass "in unserer immer spezialisierteren Welt" Menschen spezifische Fähigkeiten scheinbar immer besser entwickeln, etwa das schlussfolgernde Denken. Dadurch steigen Leistungen in Einzeltests, die die verschiedenen Facetten von Intelligenz zu messen versuchen und dann wiederum zum IQ zusammengefasst werden. Solche Einzelergebnisse können den Quotienten dann hinaufziehen. Mit einem Anstieg der Gesamtintelligenz sei das aber eben nicht gleichzusetzen. Hier zeige sich eben auch: "Der IQ ist das, was ein IQ-Test misst."

Die Analyse zeige auch eindeutig, wie unterschiedlich der Anstieg über die Zeit hinweg ausfiel: In den 1920er- und 1930er-Jahren war der Anstieg relativ groß, während in Europa im Zweiten Weltkrieg deutlich weniger Zuwachs zu verzeichnen war. Danach gingen die Testleistungen wieder hinauf. "In den letzten 30, 40 Jahren sieht man dann ein Abflachen", erklärte der Forscher.

Spezialisierung könnte zum Boomerang werden
Dafür verantwortlich könnte sein, dass sich durch bessere Ernährung oder Beschulung nicht mehr viel an Zuwachs erzielen lässt. Die zunehmende Spezialisierung könnte aber auch zum Bumerang werden: Wird man nämlich auf einzelnen Gebieten immer besser, könnte die Entwicklung auf anderen Gebieten schwächer ausfallen - wiederum mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Gesamt-IQ.

Insgesamt verzeichneten die Forscher auch in jüngerer Vergangenheit noch immer einen Anstieg. Stagnation beobachte man aber bereits in Norwegen und Schweden. Zu einer Umkehr des "Flynn-Effekts" scheint es bereits in Finnland und Dänemark zu kommen, so die Beobachtung der Wissenschafter.

Wissenschaftler: "IQ ist mit Vorsicht zu genießen"
Insgesamt sei der IQ jedenfalls mit Vorsicht zu genießen: "Es ist jedem Intelligenzforscher klar, dass intelligentes Handeln mehr ist als das, was ein IQ-Test misst. Doch ist das trotzdem die beste Form der Leistungserfassung, die wir momentan haben", so Pietschnig.

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