Mi, 17. Jänner 2018

Madrid-Anschläge

11.04.2006 17:27

Terroristen haben keine Verbindung zur El Kaida

Gut zwei Jahre nach den Terroranschlägen auf Madrider Pendlerzüge, die 191 Todesopfer gefordert haben, kommt langsam Licht in das Geschehen. Wie aus der Anklageschrift gegen 29 Verdächtige hervorgeht, gehörten sie einer lokalen islamistischen Terrorzelle an, die sich zwar von El Kaida inspirieren ließ, dem internationalen Terrornetz aber nicht direkt angehört. Die Angeklagten müssen sich wegen Mordes und Terrorismus vor Gericht verantworten.

Bei den blutigsten Terroranschlägen in der spanischen Geschichte waren am 11. März 2004 insgesamt 191 Menschen getötet und über 1.700 verletzt worden. In der Anklageschrift wird den sechs Hauptverdächtigen Mord in 191 Fällen und versuchter Mord in 1.755 Fällen zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft wird für sie wahrscheinlich Haftstrafen von Tausenden von Jahren verlangen. Unter den Hauptangeklagten sind vier Marokkaner, ein Ägypter und ein Spanier, der den Sprengstoff für die Anschläge beschafft haben soll.

Drahtzieher zogen sich aus der Affäre
Dazu gehören auch wenigstens zwei der mutmaßlichen Bombenleger, die damals insgesamt 13 Sprengsätze in vier Pendlerzügen deponiert hatten. Die mutmaßlichen Drahtzieher hatten sich drei Wochen nach den Anschlägen selbst in die Luft gesprengt, als sie in einer Wohnung in der Madrider Vorstadt Leganés von der Polizei umstellt waren. Drei von ihnen, der Marokkaner Jamal Amidan, der Tunesier Serhane Abdelmajid Fakhet und der Algerier Allekema Lamari, waren die mutmaßlichen Anführer der Terrorzelle.

Prozess erst Anfang 2007
Der Prozess gegen die 29 Angeklagten werde voraussichtlich im Frühjahr 2007 beginnen, teilte die zuständige Staatsanwältin Olga Sánchez mit. Insgesamt hatte die Justiz gegen 116 Verdächtige ermittelt. Die übrigen 87 Verdächtigen werden wahrscheinlich nicht vor Gericht gestellt, im Prozess aber als Zeugen gehört.

Verbindung mit ETA wird ausgeschlossen
Ermittlungsrichter Juan del Olmo schloss aus, dass die baskische Untergrundorganisation ETA direkt oder indirekt mit den Anschlägen zu tun hatte. Die Attentäter hätten vielmehr mit der Islamistischen Gruppe Marokkanischer Kämpfer (GICM) in Verbindung gestanden, heißt es in der 1460 Seiten starken Anklageschrift. Der Richter verlangt von den Hauptangeklagten über 450 Millionen Euro an Schmerzensgeld und Entschädigungen.

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