Di, 17. Oktober 2017

Flüchtlingsschmuggel

26.05.2015 15:09

Security-Mafia am Airport Wien wurde verpfiffen

Nach Auffliegen der unfassbaren Sicherheitslücke am Flughafen Wien-Schwechat werden mehr und mehr bedenkliche Details bekannt. Insgesamt gibt es laut Staatsanwaltschaft 13 Verdächtige, die als Mitarbeiter mehrerer privater Security-Firmen zumindest zehn Flüchtlinge in die USA und nach Großbritannien geschmuggelt haben sollen. Die Schleppereien kamen ans Tageslicht, weil die Männer verpfiffen worden waren.

Zwei der Beschuldigten sitzen in U-Haft, bestätigte am Dienstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Ihm zufolge ermittelt die Anklagebehörde seit drei Monaten - der Akt sei bereits seit 24. Februar anhängig. Es gebe 13 Verdächtige verschiedener Sicherheitsunternehmen, über zwei der Verdächtigen sei "Ende Februar/Anfang März" die U-Haft verhängt worden, die Staatsanwaltschaft habe sechs Haftanträge gestellt. Ermittelt werde wegen gewerbsmäßiger Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung.

Bis zu 9.000 Euro pro Schleppung kassiert
Die Verdächtigen sollen in zumindest elf Fällen - gegen Entgelt (die Rede ist von 7.000 bis 9.000 Euro pro Person) - "Reisende an Sicherheitskontrollen vorbeigeschleust" haben. Das sei ihnen "aufgrund ihrer dienstlichen Stellung möglich gewesen", sagte Köhl. Die Flüchtlinge stammten seinen Angaben zufolge vorwiegend aus Sri Lanka. Zwei der Beschuldigten seien Landsmänner.

Die 13 Verdächtigen hatten im Auftrag der AUA zusätzliche Ausreisekontrollen durchgeführt. Auf die Namen von Freunden und Bekannten sollen sie Flugtickets gelöst, diese Personen am Abreisetag einchecken und durch die Sicherheitskontrollen gehen haben lassen. Im Flughafengebäude hätten dann die Flüchtlinge gewartet, die diese Tickets erhielten. So seien die Flüchtlinge unbemerkt an Bord der Flugzeuge gelangt. Dabei seien aber keine Flugsicherheitskontrollen verletzt worden, sagte Airport-Sprecher Peter Kleeman am Montagabend.

Schlepperbande wurde verpfiffen
Aufgeflogen sind die Schleusungen laut Angaben von Köhl über "zwei Schienen". Einerseits sei einer der illegal Reisenden in den USA angehalten und zurückgewiesen worden. Andererseits habe die Schlepperbande versucht, in Schwechat weitere Komplizen anzuwerben - und wurde verpfiffen.

Das Sicherheitsunternehmen G4S Österreich reagierte am Dienstag auf den erschreckenden Fall. "Ein einzelner Mitarbeiter" des Unternehmens sei in die Schlepperbande involviert gewesen und "sofort fristlos entlassen" worden. Man habe in der Observationsphase "uneingeschränkt mit der Kriminalpolizei zusammengearbeitet, um alle Beteiligten auszuforschen und zu überführen". G4S werde sich dem laufenden Verfahren gegen den entlassenen Mitarbeiter als Privatbeteiligter anschließen, hieß es in einer Mitteilung.

Das Schleppen von Flüchtlingen sei möglich gewesen, weil die Bande (deren Mitglieder bei unterschiedlichen Unternehmen beschäftigt waren) untereinander persönliche Zutrittsberechtigungskarten ausgetauscht habe, so G4S.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden