Mi, 24. Jänner 2018

Ziel erreicht

11.04.2006 12:38

"Venus-Express" befindet sich in Zielumlaufbahn

Fünf Monate nach dem Start hat Europas erste Raumsonde zur Venus ihr Ziel erreicht. Die Sonde "Venus Express" schwenkte am Dienstag pünktlich um 10.07 Uhr in eine Umlaufbahn um den lebensfeindlichen Nachbarplaneten der Erde ein. Eine Stunde später kam die endgültige Erleichterung: Der Satellit hat nicht nur die Reise von 400 Millionen Flugkilometern, sondern auch das Manöver problemlos überstanden. "Bislang hatten wir eine Raumsonde. Jetzt haben wir eine wissenschaftliche Mission", sagte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Für das heikle Manöver mussten die Ingenieure im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt die 29.000 Kilometer pro Stunde schnelle Sonde abbremsen, damit sie von der Schwerkraft der Venus erfasst werden konnte. In rund 50 Minuten verbrannte das Haupttriebwerk 90 Prozent des Treibstoffs des Satelliten.

"Dies ist ein ganz besonderer Moment, weil die Venus für uns etwas ganz Besonderes ist", sagte ESA-Generaldirektor Jean Jacques Dordain. "Die Venus ist unser Schwesterplanet, und wir müssen wissen, warum sie sich so anders als die Erde entwickelt hat."

In den kommenden Tagen soll der Satellit auf seine Einsatz-Flugbahn in einer Höhe von mindestens 250 und maximal 66 000 Kilometern über den Polen gebracht werden. Eine Landung auf dem Planeten ist nicht geplant. Die Venus zeichnet sich durch hohe Temperaturen, einen hohen Atmosphärendruck, einen erstickenden Treibhauseffekt und orkanartige Stürme aus.

Die Venus - Heiß und lebensfeindlich
Der Nachbarplanet Venus ist mit einem Durchmesser von 12.100 Kilometern fast so groß wie die Erde. Anders als diese ist der sonnennähere Planet jedoch sehr lebensfeindlich. Die Oberflächentemperatur beträgt im Durchschnitt 470 Grad Celsius. Weil sie unter einer undurchsichtigen Wolkendecke liegt, bleibt die Venusoberfläche den Beobachtern auf der Erde verborgen.

Luft zum Atmen bietet die Venusatmosphäre ebenfalls nicht: Sie besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid, zu 3,5 Prozent aus Stickstoff und unter anderem aus Wasser und Schwefeldioxid. Der Atmosphärendruck ist 90 Mal so hoch wie auf der Erde. Einen Mond hat die Venus auch nicht. Sie ist jedoch hübsch anzuschauen: Nach Sonne und Mond ist der Planet als so genannter Morgen- oder Abendstern oft der hellste Himmelskörper am irdischen Firmament.

Nach dem sonnennächsten Planeten Merkur ist die Venus der zweite Planet im Sonnensystem und 108 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Je nachdem, wo sich Erde und Venus auf ihren Umlaufbahnen um die Sonne gerade befinden, trennen sie 41 Millionen bis 257 Millionen Kilometer voneinander. Ein Venustag dauert 243 Erdtage. Ein Venusjahr - eine Umrundung der Sonne - währt 225 Erdentage.

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