Sa, 20. Jänner 2018

Sagenhaft gut

07.04.2006 21:07

The Elder Scrolls IV: Oblivion

Lange mussten auf Rollenspieler nach "Morrowind" auf die Fortsetzung der "Elder Scrolls"-Saga warten. Doch das Warten hat sich mehr als gelohnt und die Spieler-Gemeinde wird mit "The Elder Scrolls IV: Oblivion" fürstlich belohnt. Vor dem Kauf noch eine Bitte: Ausreichend Schlaf, zwischendurch frische Luft und eine ausgewogene Ernährung sollten nicht vergessen werden. Jetzt dürft ihr weiterspielen!

Unser Held hat es erneut geschafft und findet sich im Gefängnis hinter Gittern wieder. Warum ist eigentlich wurscht, denn das Schicksal meint es gut mit ihm. Der Kaiser höchstpersönlich stattet ihm nämlich einen Besuch ab. Obwohl die beiden sich noch nie zuvor begegnet sind, scheint seine Hochwohlgeboren unseren Insassen aus seinen Träumen zu kennen. Uriel Septim, so der Name des Kaisers, hat aber nicht viel Zeit zum Plaudern, ist sein Tod doch bereits besiegelt. Auf der Flucht vor seinen Meuchelmördern gelangt der Kaiser samt Leibgarde und unserem Held über einen geheimen Fluchtweg aus der Zelle in die Abwasserkanäle der Hauptstadt Cyrodiils.

Die Qual der Wahl
Zuvor wählt der Spieler noch aus einer von insgesamt zehn Rassen und verleiht seiner Figur – ganz wie bei den „Sims“ – eine äußere Erscheinungsform. Jede der Rassen – ob Ork, Dunkelelf oder reptilienartiger Argonier – verfügt über bestimmte Fertigkeitsboni und spezielle Eigenschaften, zum Beispiel Wasseratmung oder Magieresistenz. Desweiteren stehen 21 vorbestimmte Klassen, wie Schurke, Pilger oder Ritter, zur Auswahl.

Ratten, Goblins und Co.
In den dunklen und feuchten Abwasserkanälen wimmelt es dann, wie könnte es anders sein, nur so von Ratten und Goblins. Eine wunderbare Gelegenheit für unseren Helden, um sich in einem kleinen Tutorial mit dem Kampfsystem vertraut zu machen. Wie bereits beim Vorgänger „Morrowind“ sind die Kämpfe sehr actionreich: Mit der einen Schultertaste (bzw. Maustaste) wird geschlagen, mit der anderen Taste wird mit einem Schild – sofern vorhanden – geblockt. Um lautlos aus der Entfernung zu töten, greift unser Held auf seinen Bogen zurück oder zaubert ein paar Feuerbälle.

Durch sehr nützliche Hotkeys kann der Spieler über das digitale Steuerkreuz alle wichtigen Utensilien, Zauber oder Waffen blitzschnell aufrufen. Neu und auch äußerst hilfreich ist die Fähigkeit des Schleichens. Eine kleine Anzeige gibt zu erkennen, ob wir gesehen werden oder nicht. Bleiben wir bis zuletzt unerkannt, so ist die Wirkung des Schlages wesentlich effektiver. Per Tastendruck kann der Spieler übrigens zwischen einer Ego- und 3rd-Person-Perspektive wechseln.

Learning by doing
Ebenfalls in den Abwasserkanälen stößt der Spieler auf verschlossene Schatztruhen. Hier haben sich die Macher ein kleines Mini-Game à la „Splinter Cell“ einfallen lassen, um mittels Dietrich an die verborgenen Reichtümer zu gelangen. Doch nicht verzweifeln, wenn die ersten Versuche einfach nicht gelingen wollen. Unser Held wächst nämlich an jeder Herausforderung und bildet, wie beim Vorgänger, genau die Fähigkeiten aus, die er auch oft trainiert – sei es durch eigene Leistung oder mit Hilfe eines kostenpflichtigen Trainers. Learning by doing also.

Springt die Kiste auf, dann darf der Spieler mit einem Knopfdruck alle Gegenstände an sich reißen. Diese findet er dann gut sortiert in seinem Inventar wieder aufgelistet. Neben dem Inventar finden sich im Menü noch eine Karte, ein sehr übersichtliches Questlog und allgemeine Angaben zur Person. Nach wenigen Minuten geht die Benutzeroberfläche in Fleisch und Blut über und lässt sich dann intuitiv bedienen.

Der Kaiser ist tot, es lebe der Kaiser!
Am Ende des Tutorials – so viel sei verraten – muss der Kaiser sterben. Glücklicherweise gibt es jedoch einen Erben, den zu finden wir beauftragt werden. Denn mit dem Tod des Kaisers fiel auch ein magischer Schutzzauber vom Reich, ohne den nun an jeder Ecke Höllenpforten aus der Erde schießen und das einst so idyllische Land vom Bösen heimgesucht wird. Diese „Tore von Oblivion“ zu schließen, wird unsere Hauptaufgabe sein. Doch natürlich ist es damit noch lange nicht getan: Etliche Nebenquests wollen vom Spieler bewältigt werden. Die zu finden ist nicht immer leicht, aber wer im Gespräch mit den Bewohnern Augen und Ohren offen hält, der wird den einen oder anderen Hinweis erhalten. Schließlich hat fast jeder Bürger seine eigene Geschichte.

Zudem stehen wieder zahlreiche Gilden zur Auswahl, denen der Spieler beitreten kann. Richtige Abenteurer schlagen sich hingegen einfach in die Wildnis und halten nach Ruinen, Höhlen oder Verließen Ausschau. Der Spieler muss die langen Strecken nun nicht mehr nur zu Fuß absolvieren, sondern kann in „Oblivion“ auch auf dem Rücken eines Pferdes durch die Lande ziehen. Noch bequemer geht es jetzt über die Karte: Einfach den gewünschten Ort anwählen und schon wird der Held dorthin teleportiert. Das mag der Atmosphäre nicht unbedingt dienlich sein, erweist sich aber bei Laufburschen-Quests als äußerst nützlich.

Das Wettrüsten hat begonnen
Neben zahlreichen Quests und einer umfangreichen Story darf eines natürlich nicht fehlen: Das Aufrüsten des Charakters. Neben den vielen magischen Kostbarkeiten, die nur darauf warten entdeckt zu werden, gibt es wieder zahlreiche Händler, die ihre Waren an den Mann bringen wollen. Zwei kleine Mini-Games sorgen im Umgang mit anderen Figuren für zusätzliche Abwechslung: Zum einem kann der Held mit Händlern feilschen, zum anderen kann er seine Überredungskünste an ihnen erproben.

Hier gilt es, ähnlich den „Sims“, zur richtigen Zeit den richtigen Spruch abzulassen, um in der Gunst des Händlers zu steigen. Doch wir können nicht nur Waren kaufen, wir dürfen auch – entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt – Gegenstände verzaubern oder mit Kräutern und anderen gepflückten Zutaten Tränke brauen. Das so gewonnene Gift lässt sich dann auch beispielsweise auf die eigene Waffe streichen, um künftigen Gegnern zusätzlich zu schaden.

Virtuelles Wandern
Wenn der Spieler das erste Mal die dunklen Abwasserkanäle verlässt und ans Tageslicht tritt, dann wird ihm mit einem Schlag bewusst, wie grafisch aufwendig und opulent „Oblivion“ gestaltet ist. Tag und Nacht sowie Wetter wechseln dynamisch, jedes Pflänzchen wiegt sich im Wind und kleine Rehkitze und andere Lebewesen bevölkern völlig eigenständig diese Welt. Und die hat einiges zu bieten: Eisige, Schnee verhangene Berge, blühende Wiesen oder die feurigen Lava-Landschaften Oblivions – um nur einige zu nennen. Die Weitsicht ist fantastisch und vor lauter Natur würde man am liebsten einfach nur umherwandern.

Soviel Abwechslung und Detailreichtum will natürlich berechnet werden und so muss während der langen Märsche häufig im Spiel nachgeladen werden, was zu kleinen, angesichts dieser Grafik-Fülle aber verkraftbaren, Verzögerungen führt. Leider muss erwähnt werden, dass sich während des Tests das Spiel auch einmal völlig aufhängte.

Feuerball statt Fackel
Wirklich überflüssig sind hingegen die kleinen, aber häufigen Patzer in der deutschen Übersetzung. Immer wieder tauchen englische Wörter in den deutschen Untertiteln auf. Auch wurden einige Dinge schlichtweg falsch benannt: Wer mit einem Fackel-Zauber den Raum erhellen möchte, der darf sich nicht wundern, wenn er seinen Gegenüber völlig überraschend mit einem Feuerball zu Boden streckt. Bei einem Spiel dieser Größenordnung wären solche Kinderkrankheiten sicher vermeidbar gewesen.

Dafür punktet „Oblivion“ wieder mit einer sehr guten und vor allem stimmungsvollen Sprachausgabe. Sämtliche Dialoge wurden aufwendig vertont und bis auf wenige Ausnahmen passen die Stimmen perfekt zur jeweiligen Figur. Die Musik ist mehr als filmreif und passt sich mit ihren orchestralen Klängen immer wieder dem Geschehen an. So - und nicht anders – hat die Musik zu einem Fantasy-Spiel zu klingen.

Fazit: „Oblivion“ ist das derzeit wahrscheinlich komplexeste Rollenspiel am Markt und schon jetzt eines der Highlights des Jahres – und dabei hat das Jahr gerade erst begonnen. Trotz kleiner und vor allem vermeidbarer Fehler ist dieses Spiel ein Pflichtkauf für alle Rollenspieler. Doch Vorsicht: Gut und gerne können Wochen, ja sogar Monate vergehen, bis alle Quests erledigt sind. Kein Spiel für zwischendurch, aber eines, wofür man sich einfach Zeit nehmen muss.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC
Publisher: Take 2
Krone.at-Wertung: 95%

von Sebastian Räuchle

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