Di, 21. November 2017

Reiz der Gegensätze

04.10.2017 07:30

Kolumbien: Vom Andengold zum Tropenstrand

Die raue Bergwelt der Anden mit einmaligen Zeugnissen aus spanischer und indianischer Zeit, die Hitze der Tropen, die ausgelassene Heiterkeit der Karibik - das alles bietet Kolumbien in seiner Gegensätzlichkeit. Und einige zauberhafte Kolonialstädte dazu.

Träge döst ein Hund in einer Ecke des riesigen Platzes unter einem der typischen grünen Balkone vor sich hin. Vorbeigehende Besucher sind ihm höchstens ein Augenzwinkern wert. Es ist ruhig an diesem sonnigen Morgen in Villa de Leyva im Herzen Kolumbiens. Die schiere Größe des Platzes macht deutlich: Hier war einst ein Zentrum der Macht, spanische Konquistadoren haben es vor 450 Jahren erbaut. Heute versetzt das bestens erhaltene Provinzstädtchen wie kaum ein anderes in die Zeit seiner Entstehung zurück: So mancher Romantiker hört vielleicht in Gedanken auf dem buckeligen Pflaster das Hufgetrappel der Eroberer, die einst hier Hof hielten. Der deutsche Regisseur Werner Herzog hat mit Film-Enfant-terrible Klaus Kinski in dem Ort den Streifen "Cobra Verde" gedreht.

Wir sind in Kolumbien in Südamerika, ein Land dreizehnmal so groß wie Österreich, aber lange Zeit in puncto Tourismus nur ein weißer Fleck. Das hat sich geändert. Die komplizierte politische Lage zwischen linken Guerillas, rechten Paramilitärs und der Regierung kann den immer zahlreicheren ausländischen Besuchern inzwischen egal sein. Sie betrifft sie nicht. Dass in Großstädten Vorsicht geboten ist und man bei seiner Tagesplanung auf den Rat der Einheimischen oder Reiseführer achten sollte, ist woanders auch so. Ein Land mit derartiger Vielfalt einfach links liegen zu lassen, wäre schade.

Legenden rund um Gold-Stadt
Damit gleich zu Bogotá, der Acht-Millionen-Metropole, die auf einer Seehöhe von 2.700 Metern liegend, die dritthöchst gelegene Hauptstadt der Welt ist. Allein schon die Landung mit dem Flugzeug zwischen den Gipfeln der Anden ist ein Erlebnis. Unter der Maschine breitet sich eine sattgrüne, von Bergketten eingerahmte Hochebene aus.

Wo heute hektischer Verkehr pulsiert, lebten vor 1000 Jahren indianische Ureinwohner. Vor allem Muisca, ein Volk von mehr als einer Million Menschen. Großartige Handwerker fertigten wunderbare Masken und Schmuckstücke. Es entwickelte sich der Mythos von einer ganzen Stadt aus Gold. Die spanischen Eroberer suchten sie, fanden sie aber nicht. Doch es muss sie gegeben haben, wie ein besonders kostbares Stück beweist. Dieses ist heute die große Sehenswürdigkeit im Goldmuseum von Bogotá: das "Goldfloß von Eldorado", das in wunderbaren Details die Krönung eines Muisca-Königs darstellt. Er soll dabei ganz mit Gold bestäubt worden sein. Um zu leuchten wie die Sonne, die damals als Gottheit angebetet wurde.

In der Nähe von Bogotá wird ein anderer Bodenschatz gewonnen: Smaragde. Fachleute schätzen sein "grünes Feuer" und seine hohe Qualität. Als exklusives Mitbringsel wird er in Geschäften angeboten. Doch Vorsicht: Einzelstücke in Spitzenqualität kosten bis zu 20.000 Dollar.

Viel billiger ist da schon ein Ausflug aufs Land. Und wenn dann auf dem Dorfplatz eines kleinen Ortes gerade ein Fest gefeiert wird und der feurige kubanische Charanga aus dem Lautsprecher tönt, ist das Glück perfekt. Alles leichtzunehmen, Spaß zu haben, ist auch hier das Motto.

Márquez setzte Cartagena ein Denkmal
Lebensfreude pur - das ist die Hafenstadt Cartagena. Sie gilt als "Königin der Karibik", ihre Altstadt als die schönste in der Region. Während im Hochland in vielen Orten stille Abgeschiedenheit herrscht, pulsiert hier das pralle Leben. Berühmt wurde die Stadt bei Literatur-Liebhabern wegen ihres einst prominentesten Einwohners: Gabriel García Márquez. Vorbei am Haus des Schriftstellers, kann man die Schauplätze seiner Bücher besuchen. Vor allem mit seinem Bestseller "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" hat Márquez der Stadt ein einmaliges Denkmal gesetzt.

Entspannung gönnt man sich nach anstrengender Besichtigung am besten bei einer Tasse Kaffee - auf einer Finca, wo die Sträucher mit den kleinen, ursprünglich weißen Bohnen wachsen. Kolumbien ist derzeit nach Brasilien, Vietnam und Indonesien der viertgrößte Kaffee-Erzeuger weltweit. Feuchte Höhenlagen um die 1500 Meter bieten ausgezeichnete Anbaumöglichkeiten. Bei einem Besuch auf einer Finca erklären die Bauern gerne Details der Aufzucht der Pflanzen, Anbau und Verarbeitung. Wie Alejandro Ortega, der als krönenden Abschluss der Führung ein Tässchen Kaffee serviert. Aus Bohnen, die nur wenige Meter entfernt geerntet wurden …

Drogenboss-Villa als Touristenattraktion
Kolumbien bietet so viel, dass es kaum in eine Reise passt. Wunderbare Strände und pulsierende Metropolen, wie Medellín, das jüngst zur "innovativsten Stadt der Welt" gekürt wurde. Die traurige Vergangenheit als Drogenmetropole ist längst eine Fußnote der Geschichte. Das Haus des Chefs des Medellín-Kartells, Pablo Escobar, ist nur mehr Touristenattraktion. Auf der 1800 Hektar großen Hacienda Napoles, einst ausgestattet mit exotischem Zoo, sechs Pools und privatem Flugplatz, will die Stadt einen Themenpark errichten.

Vielleicht typisch für den Wandel in dem südamerikanischen Land ist der Umstand, dass heute eine durchaus sympathische Figur weltweit den höchsten Promi-Status aller Kolumbianer genießt: Pop-Königin Isabel Mebarek Ripoll. Besser bekannt unter ihrem Vornamen Shakira.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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