Do, 19. Oktober 2017

Bettler-Zuhälter

08.05.2015 19:31

„Er war ein Sklavenhändler!“

Wie ein Zuhälter seine Opfer zum Betteln in Salzburg gezwungen hat. Sie durften ihren Platz nicht verlassen. Innerhalb eines Jahres hatte er Münzgeld im Wert von 63.000 Euro bei Banken umgewechselt.

Wie die Bettler-Zuhälter agieren, zeigen jetzt Polizei-und Gerichtsprotokolle, welche die "Krone" veröffentlichen kann: Ein skrupelloser Verbrecher handelte wie ein Sklavenhändler. Die Polizisten sind Einiges gewohnt, doch die Aussagen der Opfer erschütterten sie. Die Opfer wurden unter obdachlosen, alkoholabhängigen und leicht beeinträchtigten Menschen angeworben. Mit dem Versprechen, auf eine Wohnung sparen zu können, lockte sie der Mann nach Österreich und brachte sie sofort nach Salzburg, wo er ihnen die Plätze zuwies.

Sie durften die Standplätze nicht verlassen, es wurden ihnen Strafen angedroht. Bei jeder Witterung mussten sie im Freien schlafen. Der Zuhälter verbot seinen Bettlern, sich mit dem Geld Verpflegung zu kaufen. Am Abend holte er die Opfer mit dem Auto wieder ab und sie mussten das gesamte erbettelte Geld in eine blaue Tasche werfen. Überdies wurden die Frauen und Männer nach verstecktem Geld durchsucht. Weil ein Bettler Essen kaufte, wurde er vom Täter vor den Augen der übrigen Opfer mit Faustschlägen und Fußtritten bestraft. Bei einer Bankfiliale in Salzburg hatte der Mann ein Konto und zahlte regelmäßig ein.

Geld teils verspielt, Bettler bekamen nur kalte Mahlzeit
Später stellte sich heraus, dass er mehrere Konten bei verschiedenen Banken hatte und innerhalb eines Jahres Münzgeld von zumindest 63.000 Euro umgewechselt hatte. Die Beträge dürften jedoch weit höher sein, da eines der Opfer angab, ihm Münzgeld um 30.000 Euro übergeben zu haben. Einen Teil des erbettelten Geldes verspielte er an Automaten. Mit einem Verwandten trank der schwer abhängige Mann an einem Abend eineinhalb Liter Rotwein. Für die Bettler gab es vom Sklavenhändler nur eine kalte Mahlzeit am Tag.

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