So, 19. November 2017

Snowden-Infos:

06.05.2015 12:20

NSA-Software versteht, was Sie am Telefon sagen

Dass der US-Geheimdienst NSA und seine Partner massenhaft digitale Kommunikation wie E-Mails oder Chats abgreifen, ist seit den Enthüllungen des Ex-Geheimdienstlers Edward Snowden bekannt. Dass die Behörde aber offenbar auch seit Jahren Software einsetzt, die Telefongespräche auf der ganzen Welt automatisch analysieren, transkribieren und auf Reizwörter hin untersuchen kann, galt bislang eher als Gerücht. Neue Dokumente aus dem Fundus Snowdens belegen es nun.

Wie das Aufdeckerportal "The Intercept" unter Berufung auf die Snowden-Dokumente meldet, soll die NSA bereits seit rund zehn Jahren im großen Stil Software nutzen, die menschliche Sprache automatisch analysiert. Sie werde kontinuierlich weiterentwickelt und sei mittlerweile für eine Vielzahl von Sprachen verfügbar, heißt es in dem Bericht.

Spracherkennung bei Spanisch am zuverlässigsten
Am zuverlässigsten funktioniere sie bislang bei spanischen Gesprächen, aber auch andere Sprachen könnten von der NSA-Software abgehört werden. Konkret soll sie in den vergangenen zehn Jahren nicht nur in Kriegsgebieten wie dem Irak oder Afghanistan verwendet, sondern auch zum Abhören iranischer und mexikanischer Bürger genutzt worden sein.

Ob die NSA auch deutschsprachige Telefon- und VoIP-Gespräche analysiert, geht aus dem Bericht nicht hervor, die Fähigkeit dazu dürfte sie aber haben. Tatsächlich scheint nicht einmal ausgeprägter Dialekt davor zu schützen, abgehört zu werden: Ein Dokument des britischen NSA-Partners GCHQ belegt, dass die Spracherkennungs-Software des Geheimdienstes offenbar auch kein Problem mit nordirischen Dialekten hat. Vorarlberger Dialekt oder eine andere seltene Mundart dürfte es ihr aber zumindest deutlich schwerer machen.

Bei der NSA betrachtet man die Spracherkennungs-Software als ungemein praktisches Werkzeug. In einem internen Dokument heißt es: "Von der Suche nach Tunnels in Tijuana über das Identifizieren von Bombendrohungen in Mexiko Stadt bis hin zu den Schüssen auf US-Zöllner in Potosi, Mexiko, hat die Technologie gehalten, was sie versprochen hat. Sie hat den Prozess beschleunigt, relevante Informationen zu finden, wenn Zeit essenziell war."

Wissenschaftler warnen vorm Überwachungsstaat
Wissenschaftler sind angesichts der großflächigen automatisierten Gesprächserkennungs-Software der NSA alarmiert und rechnen mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die automatisierte Suche nach Schlüsselwörtern wie "Bombe" halten viele von ihnen dabei für das geringste Problem am großflächigen Anzapfen der Telefon- und VoIP-Gespräche.

"Wenn die NSA jemanden auf Basis der Verarbeitung natürlicher Sprache als 'interessant' identifiziert, könnte es sein, dass es keine menschlich verständliche Erklärung gibt, warum", befürchtet etwa der Computerwissenschaftler Phillip Rogaway. Ein Mensch gerate dann einfach deshalb ins Visier der Überwachung, "weil seine Unterhaltungen sich anders anhören als die der meisten anderen Menschen". Oder weil sie die Computerprogramme an Gespräche interessanter Personen erinnern.

Realistischerweise, so der Techniksoziologe Kim Taipale, werde man künftig damit leben müssen, dass Regierungen die Fähigkeit haben, in der gesprochenen Kommunikation der Menschen herumzustöbern – womöglich auch Wochen oder Monate, nachdem etwas gesagt wurde. Man müsse aber zumindest für Regeln und eine effektive Überwachung der Überwacher sorgen, um sicherzustellen, dass diese Informationen nur für juristisch stichhaltige Zwecke genutzt werden.

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