Sa, 18. November 2017

RH-Bericht zeigt:

01.05.2015 13:30

198.000 Euro als Geschenk für TV-Sender

"Bist Du deppert" - so heißt ein neues Satireformat auf Puls 4. Der Privatsender bringt dabei ältere Storys zum Thema Steuergeldverschwendung. Ein neuerer Fall blieb unerwähnt: nämlich jener über die städtische Mediaquarter Marx GmbH, die einem Mieter - einem TV-Unternehmen - 197.900 Euro Steuergeld geschenkt hat.

Bemüht präsentierten bekannte und deutlich weniger bekannte Kabarettisten und Schauspieler am Donnerstag 75 Minuten lang auf Puls 4 diverse Uralt-Skandalfälle: den seit Jahren von Zieseln erwirkten Baustopp in Wien-Floridsdorf, die Kosten des Multiversums in Schwechat, einen teuren Parkplatz-Umbau etc.

Auf Paradebeispiel im Mediaquarter vergessen
Ein dazu passendes Gustostückerl direkt vor ihrem TV-Studio im Wiener Mediaquarter Marx wollten die Aufdecker-Promis nicht besprechen: Der Rechnungshof hat in einem aktuellen Bericht (GZ 003.966/028-484/14) kritisiert, dass "einem TV-Unternehmen" im kommerziell dahinsiechenden Mediaquarter Marx vom Vermieter "eine Mietzinsfreistellung in Höhe von 147.900 Euro" geschenkt worden sei. Außerdem erließ der Hausherr - also die MediaQuarterMarx GmbH, ein 40-Prozent-Tochterunternehmen der Stadt - dem Mieter die im Mietvertrag vereinbarte Kaution von 50.000 Euro.

Zum Zeitpunkt der Rechnungshofprüfung (2014) war lediglich ein einziges wirklich bedeutendes TV-Unternehmen im Medienzentrum an der Tangente eingemietet: Puls 4. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Warum dieser Privatsender 197.900 Euro Steuergeld als Geschenk erhalten haben soll, wird im Rechnungshofbericht, den auch die "Krone" hat, nicht erklärt. Die Bürger dürfen also rätseln, warum der kleine Österreich-Ableger der börsenotierten, milliardenschweren deutschen ProSiebenSat.1-MediaAG-Gruppe mutmaßlich fast 200.000 Euro Steuergeld geschenkt bekam. Aber vielleicht fragt ja schon in Kürze ein Staatsanwalt: "Was war die Leistung?"

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