Mo, 21. Mai 2018

Torkelt im Erdorbit

30.04.2015 09:27

Raumfrachter "Progress" wohl nicht mehr zu retten

Wegen einer technischen Panne ist ein russischer Raumtransporter kurz nach seinem Start am Dienstag auf eine falsche Umlaufbahn geraten. Die Raumfahrtbehörde NASA hat auf ihrer Website Filmaufnahmen veröffentlicht, die zeigen, dass die unbemannte "Progress M-27M"-Kapsel außer Kontrolle geraten ist und im Orbit torkelt. Sie ist den russischen Behörden zufolge kaum mehr zu retten. "Nur ein Wunder kann noch helfen", sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Flugleitzentrale bei Moskau.

Bislang ist es den Experten im russischen Kontrollzentrum nicht gelungen, den Raumfrachter unter Kontrolle zu bringen. Die Aufnahmen einer Kamera an Bord der Kapsel zeigen, wie diese taumelt und um ihre Achse rotiert. Immer wieder kommt dabei kurz die Erde ins Bild (siehe Video oben). Das Bodenpersonal werde erneut versuchen, Kontakt mit der "Progress M-27M" aufzunehmen, sagte am Mittwoch ein Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Sollten auch die letzten Versuche einer Kontaktaufnahme scheitern, stürzt der Frachter wohl zwischen dem 5. und 7. Mai ab.

Experte beruhigt: Risiko durch Trümmer gering
Die russische Raumfahrtbehörde erwartet für einen solchen Fall, dass "Progress M-27M" mit rund 2,4 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS an Bord fast völlig in der Atmosphäre verglüht. "Falls das geschieht, können wir einige Stunden vorher sagen, wohin mögliche Trümmer fallen", sagte ein Roskosmos-Experte. Durch den Verlust des Frachters entstehe ein Schaden von rund 88 Millionen Euro.

Die Trümmer des 7,2 Tonnen schweren "Progress"-Raumfrachters stellen nach Einschätzung von Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA keine große Bedrohung für Menschen auf der Erde dar. "Bauteile aus Titan oder Edelstahl werden zwar nicht schmelzen und auf die Erde fallen", sagte der deutsche ESA-Experte am Donnerstag. "Das Risiko für die Bevölkerung ist nicht gleich null, aber doch sehr gering."

Experte bezeichnet Panne als "beunruhigend"
Ein namentlich nicht genannter Experte der Flugleitzentrale nannte die Panne "beunruhigend", da sie bei einer "Sojus"-Rakete aufgetreten sei, die auch für bemannte Flüge genutzt werde. Möglicherweise werde der für den 26. Mai geplante Start von drei Raumfahrern zur ISS verschoben, um den Fehlschlag erst genau zu analysieren, hieß es.

Die "Progress M-27M" war Dienstagfrüh an Bord einer "Sojus"-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet (kleines Bild). An Bord ist eine Kopie der sowjetischen Flagge, die Rotarmisten nach der Eroberung Berlins 1945 auf dem Reichstag gehisst hatten. Die drei Kosmonauten auf der ISS wollen damit am 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland, aus dem All ihren Landsleuten gratulieren. Außer dem "Siegesbanner" befinden sich ein Festtagsessen sowie Geschenke und persönliche Post in dem Raumfrachter.

Auch Treibstoff, Geräte für wissenschaftliche Experimente und Sauerstoff für die ISS sind an Bord von "Progress M-27M". Es bestehe aber keine Gefahr für die Versorgung der Raumstation, sollte der Frachter verloren gehen, teilte Roskosmos mit. Die sechs Besatzungsmitglieder würden über einen großen Vorrat an Lebensmitteln und technischem Material verfügen, hieß es.

Dritte Raketenstufe zündete nicht korrekt
Die Trägerrakete vom Typ "Sojus" habe nach dem Abheben die geplante Umlaufbahn deutlich verfehlt, sagte ein Roskosmos-Mitarbeiter. Nach ersten Erkenntnissen zündete vermutlich die dritte Stufe der Rakete nicht korrekt. Zudem öffneten sich mindestens zwei der fünf Antennen der "Progress"-Kapsel nicht. Ursprünglich sollte der Frachter nach sechs Stunden Flug am Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde andocken.

Auf der ISS arbeiten derzeit die Kosmonauten Gennadi Padalka, Michail Kornijenko und Anton Schkaplerow. Die USA sind mit den Astronauten Scott Kelly und Terry Virts vertreten, zudem ist die Italienerin Samantha Cristoforetti von der europäischen Raumfahrtagentur ESA an Bord.

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