Do, 24. Mai 2018

Auf "Siegesfahrt"

27.04.2015 21:10

Polen verweigert russischen "Nachtwölfen" Einreise

Polnische Grenzbeamte haben am Montag mehrere Mitglieder des russischen Motorradklubs "Nachtwölfe", die mit einer "Siegesfahrt" nach Berlin an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg vor 70 Jahren erinnern wollen, an der Einreise gehindert. Wie ein Sprecher des polnischen Grenzschutzes mitteilte, wollten die Biker aus Weißrussland kommend bei Terespol nach Polen einreisen. Laut polnischen Medien haben allerdings einzelne Mitglieder der Bikergruppe bereits die Grenze überquert.

Polen hatte im Vorfeld angekündigt, die Fahrt durch sein Territorium zu verbieten. Als Begründung hatte das Außenministerium in Warschau angegeben, es fehlten genaue Angaben über das geplante Programm sowie mögliche Unterkünfte der Tour-Teilnehmer, ohne die "deren Sicherheit nicht gewährleistet werden" könne. Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz hatte die Tour der "Nachtwölfe", die am Samstag in Moskau begonnen hat, als "eine einzige Provokation" bezeichnet.

Eine Gruppe polnischer Biker, die sich mit den Russen solidarisch zeigte und an der Grenze auf die "Nachtwölfe" wartete, gab sich empört über die Entscheidung der Warschauer Regierung. Wie ihr Anführer Wiktor Wegrzyn der Nachrichtenagentur AFP sagte, würden dann eben polnische Motorradfahrer die geplante Tour der "Nachtwölfe" absolvieren, falls diese durch das Einreiseverbot keine Möglichkeit dazu bekämen. Man werde unterwegs Blumen an den Denkmälern der sowjetischen Soldaten niederlegen.

Medienberichten zufolge wollen Mitglieder der "Nachtwölfe" am Dienstag einen weiteren Versuch unternehmen, nach Polen einzureisen und ihre "Siegesfahrt" von Moskau nach Berlin fortzusetzen. Möglicherweise komme es auch zu einer Routenänderung etwa über die baltischen Staaten und Finnland, berichtete der Nachrichtensender "TVN 24".

Russland kritisiert Polen wegen Einreiseverbot
Das russische Außenministerium hat das Einreiseverbot für die Mitglieder des Rockerklubs scharf kritisiert. Die als kremlnah geltenden Motorradfahrer hätten gültige Schengen-Visa gehabt, seien aber von den polnischen Beamten stundenlang durchsucht worden, teilte das Ministerium am Montagabend in Moskau mit.

Überdies seien Soldaten am Grenzübergang stationiert gewesen. Dadurch sei der Eindruck entstanden, dass die kleine Gruppe russischer Staatsbürger als Gefahr wahrgenommen werde, hieß es. Moskau verlangte eine Erklärung von der Regierung in Warschau.

Österreich will keine Schritte gegen Einreise setzen
Die "Nachtwölfe" wollen aus Anlass des Sieges über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren den 6.000 Kilometer langen Weg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg von Moskau quer durch Ost- und Mitteleuropa - darunter auch Wien - nachfahren. Am 9. Mai, dem russischen "Siegestag" über Nazi-Deutschland, soll die Tour in Berlin enden. Deutschland will, wie Polen, "führenden Mitgliedern" des Motorradclubs die Einreise verweigern und ihre Visa annullieren.

Laut dem Radiosender RMF FM war Warschau als Treffpunkt geplant. Die "Nachtwölfe" wollen dort das Grab des Unbekannten Soldaten besuchen. Laut Medienberichten planten die Biker in Polen außerdem, das von der Roten Armee befreite NS-Vernichtungslager Auschwitz und den Friedhof der Sowjetischen Soldaten in Breslau zu besuchen.

Tschechien will Durchfahrt ebenfalls verbieten
Auch aus tschechischen Regierungskreisen kamen Signale, dass das Land die geplante Durchfahrt des russischen Motorradklubs nicht erlauben oder zumindest stark erschweren will. Das Innenministerium will zudem führende Persönlichkeiten der Gruppe als "unerwünschte Personen" ausweisen.

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